It's only after we've lost everything that we are free to do anything...

  Startseite
  Über...
  Archiv
  God is in the TV
  Shakespeare
  Webwelt
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 



  Links
   Laibach
   12 Monkeys
   Zwobot
   Nine Inch Nails
   Blade Runner
   Tool
   Fight Club
   Nirvana



http://myblog.de/nevermind81

Gratis bloggen bei
myblog.de





[Brutus II]

1.
Die Sonne taugte sich im Schoos des Abends nieder
Ihr lezter Scheideblick fiel auf der Römer Heer
Es sandte hier der Tod sein ehrenes Gefieder
Und alle wateten in einem blut'gen Meer
Die weite Ebne rauscht die Rosse stampfen wilder
Im wütenden Gefecht erklingen schwere Schilder.

2.
Schon naht die Dämmrung sich, und die Entscheidung weilet
Der Sieg schwankt ungewis, in Brutus Seele flammt
Der stählerne Entschlus, wenn ihn das Glück enteilet
Flieht er dem Grabe zu was auch daraus entstammt
Und seinem Schwure hat sich Kassius Schwur verbunden
Nicht in Gefangenschaft zu zählen Trauer Stunden.

3.
Jetzt sinkt der Freiheit Heer, durchbohret von dem Schwerde
Das Cäsars Brust durchdrang stürzt Kassius blutig hin
Ha! rufet Brutus aus, Ha! sterbender Gefährte
Mit dir stirbt Romas Glück und wahrer Freiheits Sinn
Verweile Freund! Bald eilt mein Geist dem deinigen zu
In jenem schwarzen Styksumflossnen Land der Ruh.

4.
Mit einem großen Blik der eine Erd' umfasset
Mit einem Schmerz zu schwer für diese kleine Welt
Mit dem Gefühl vor dem die Menschheit scheu erblasset
Verweilet Brutus noch im blutgetränkten Feld
Er fühlt der Sterbenden weitaufgerißne Wunden
Und hört im Geiste schon von Rom die Trauer kunden.

5.
Verlaßt mich spricht er jezt verlaßt mich ihr Getreuen
Entflieht der Sclaverei, sucht euch ein Vaterland
Allein nur kan ich mich der Schicksalsgöttin weihen
Zufrieden wohin auch ihr strenger Ruf mich bant
Doch wählt ich zwischen meinem Fall und jener Siegen
Weil lieber würd' ich für die Freiheit unterliegen.

6.
Ein stummer Abscheid trent ihn schmerzlich von den Freunden
Und traurig schweigend eilet er ins nächste Thal
Von allen tausenden die sich ihm sonst vereinten
Sind zwei gesinnt mit ihm zu sinken gleichen Fall
Ergeben bis zum Tod und ewig treu dem Kühnen
Bis an des Orkus schwarzumhülltes Thor zu dienen.

7.
Noch zögert Brutus denn noch einmal will er leben
Im lezten Augenblik des Lebens schweren Traum -
Weh ihm! mißlungne Mühen, Zweifel Schmerzen schweben
Wie Furien um ihn im öden wüsten Raum
In dieser Stunde weichet des Bewußtseins Frieden
Und ihn umzischt die gräßlichste der Eumendiden

8.
Und doch des eigenen Schicksals ehrner Griffel gräbet
In seine große Seele solche Wunden nicht
Daß was so zehrend ihm im starken Busen bebet
Ist, daß er nimmer nun der Römer Ketten bricht
Auf seinem Grabe wird die Tiranei regieren
Der Freiheit Genius auf ihren Trümmern irren.

- Karoline von Günderrode

(Herrlich, diese wunderbar düstere Romantik, mit all ihrer pathetischen Todessehnsucht.)
23.4.07 10:27


Brutus

Der Freiheit ward einst Cäsar hingeschlachtet,
In seines Ruhmes, seines Lebens Fülle.
Und Brutus schreitet zu dem hohen Ziele,
Das zu erfassen er so sehnlich trachtet;
Doch bald wird es von Dunkel ihm umnachtet,
Es schwankt sein Glück in solchem kühnen Spiele,
Doch ringt er muthig noch nach seinem Ziele
Bis zu dem Tode, den er stolz verachtet.

Denn freudiger als einst in Cäsars Seite
Senkt Brutus Dolch in Brutus Busen sich
Und sterbend erst wird Freiheit seine Beute.
So opferte der Freiheit seinem Gotte
Ein wahrer Priester, Brutus selber, sich,
Doch wer ihm stirbt, der lebt in seinem Gotte.

- Karoline von Günderrode
23.4.07 10:25


Eine Sozialpädagogenfantasie im Kontrast zur Wirklichkeit

Indes, der Historiker in mir ist übermächtig und, so komme ich nicht umhin derartige Ansichten zu kommentieren; ich könnte nun lange über die spätantiken Herrlichkeiten sinnieren: Die ständigen Bürgerkriege und Barbareneinfälle, die zentralistische Verwaltung, das despotische Herrschaftssystem (welches immer mehr einer sakralüberhöhten orientalischen Despotie glich) und nicht zuletzt die fast ungehinderte Ausbreitung des überaus verwerflichen Christentums... ich will es aber dabei belassen, dem falschen Rom der Soldaten- und Kirchenkaiser der Spätantike das wahre, republikanische Rom der klassischen Antiken entgegen zu stellen:

"Man antwortete dem König das stolze Wort, das hier zuerst vernommen und seitdem Staatsgrundsatz ward, daß Rom nicht unterhandle, solange auswärtige Truppen auf italischem Gebiet ständen, und das Wort wahr zu machen, wies man den Gesandten sofort aus der Stadt. Der Zweck der Sendung war verfehlt und der gewandte Diplomat, statt mit seiner Redekunst Effekt zu machen, hatte vielmehr durch diesen männlichen Ernst nach so schwerer Niederlage sich selber imponieren lassen - er erklärte daheim, daß in dieser Stadt jeder Bürger ihm erschienen sei wie ein König; freilich, der Hofmann hatte ein freies Volk zu Gesicht bekommen." [Theodor Mommsen, römische Geschichte; II. Buch]

...dazu entbehren übrigens auch alle historischen Argumente einer Grundlage; die Germanen begannen nämlich mit der Eroberung Galliens bevor die Römer, unter Caesar, in Mittel- und Nordgallien, intervenierten. Auch waren die Germanen von Eroberungs- und Beutelust angetrieben und nicht von irgendwelchen imperialen Segnungen:

"Es leidet kaum einen Zweifel, daß, wenn das Senatsregiment sein Scheinleben noch einige Menschenalter länger gefristet hätte, die sogenannte Völkerwanderung vierhundert Jahre früher eingetreten sein würde, als sie eingetreten ist, und eingetreten sein würde zu einer Zeit, wo die italische Zivilisation sich weder in Gallien noch an der Donau noch in Afrika und Spanien häuslich niedergelassen hatte. Indem der große Feldherr und Staatsmann Roms mit sicherem Blick in den deutschen Stämmen den ebenbürtigen Feind der römisch-griechischen Welt erkannte;" [Theodor Mommsen, römische Geschichte; V. Buch]

Wie schreibt doch Tacitus, in seiner Germania: "Als Faulheit, vielmehr Schlaffheit kommt es ihnen vor, mit Schweiß zu erwerben, was man mit Blut gewinnen kann." – und so kommen wir nun zur Würdigung Caesars (die hier einfach mal sein muss):

"Diese Erweiterung des geschichtlichen Horizonts durch Caesars Züge jenseits der Alpen war ein weltgeschichtliches Ereignis, so gut wie die Erkundung Amerikas durch europäische Scharen. Zu dem engen Kreis der Mittelmeerstaaten traten die mittel- und nordeuropäischen Völker, die Anwohner der Ost- und der Nordsee hinzu, zu der alten Welt eine neue, die fortan durch jene mitbestimmt ward und sie mitbestimmte. Es hat nicht viel gefehlt, daß bereits von Ariovist das durchgeführt ward, was später dem gotischen Theoderich gelang. Wäre dies geschehen, so würde unsere Zivilisation zu der römisch-griechischen schwerlich in einem innerlicheren Verhältnis stehen als zu der indischen und assyrischen Kultur. Daß von Hellas und Italien vergangener Herrlichkeit zu dem stolzeren Bau der neueren Weltgeschichte eine Brücke hinüberführt, daß Westeuropa romanisch, das germanische Europa klassisch ist, daß die Namen Themistokles und Scipio für uns einen anderen Klang haben, als Asoka und Salmanassar, daß Homer und Sophokles nicht wie die Veden und Kalidasa nur den literarischen Botaniker anziehen, sondern in dem eigenen Garten uns blühen, das ist Caesars Werk; und wenn die Schöpfung seines großen Vorgängers im Osten von den Sturmfluten des Mittelalters fast ganz zertrümmert worden ist, so hat Caesars Bau die Jahrtausende überdauert, die dem Menschengeschlecht Religion und Staat verwandelt, den Schwerpunkt der Zivilisation selbst ihm verschoben haben, und für das, was wir Ewigkeit nennen, steht er aufrecht." [Theodor Mommsen, römische Geschichte; V. Buch]

...und:

"Wie viel auch Caesar von dem Gedanken seiner Partei und seiner Jugend, ein perikleisches Regiment in Rom nicht kraft des Säbels, sondern kraft des Vertrauens der Nation zu begründen, im Kampfe mit den Realitäten hatte müssen fallen lassen - den Grundgedanken, keine Militärmonarchie zu stiften, hielt er auch jetzt noch mit einer Energie fest, zu der die Geschichte kaum eine Parallele darbietet. Allerdings war auch dies ein unausführbares Ideal - es war die einzige Illusion, in der das sehnsüchtige Verlangen in diesem starken Geiste mächtiger war als der klare Verstand. Ein Regiment, wie es Caesar im Sinne trug, war nicht bloß notwendig höchst persönlicher Natur und mußte mit dem Tode des Urhebers ebenso zugrunde gehen wie die verwandten Schöpfungen Perikles' und Cromwells mit dem Tode ihrer Stifter; sondern bei dem tief zerrütteten Zustand der Nation war es nicht einmal glaublich, daß es dem achten König von Rom auch nur für seine Lebenszeit gelingen werde, so wie seine sieben Vorgänger seine Mitbürger bloß kraft Gesetz und Recht zu beherrschen, und ebensowenig wahrscheinlich, daß es ihm gelingen werde, das stehende Heer, nachdem es im letzten Bürgerkrieg seine Macht kennengelernt und die Scheu verlernt hatte, wieder als dienendes Glied in die bürgerliche Ordnung einzufügen. Wer kaltblütig erwog, bis zu welchem Grade die Furcht vor dem Gesetz aus den untersten wie aus den obersten Schichten der Gesellschaft entwichen war, dem mußte die erstere Hoffnung vielmehr ein Traum dünken; und wenn mit der Marianischen Reform des Heerwesens der Soldat überhaupt aufgehört hat, Bürger zu sein, so zeigten die kampanische Meuterei und das Schlachtfeld von Thapsus mit leidiger Deutlichkeit, in welcher Art jetzt die Armee dem Gesetze ihren Arm lieh. Selbst der große Demokrat vermochte die Gewalten, die er entfesselt hatte, nur mühsam und mangelhaft wieder zu bändigen; Tausende von Schwertern flogen noch auf seinen Wink aus der Scheide, aber zurück in die Scheide kehrten sie schon nicht mehr auf seinen Wink. Das Verhängnis ist mächtiger als das Genie. Caesar wollte der Wiederhersteller des bürgerlichen Gemeinwesens werden und ward der Gründer der von ihm verabscheuten Militärmonarchie; er stürzte den Aristokraten- und Bankierstaat im Staate nur, um an deren Platz den Soldatenstaat im Staate zu setzen, und das Gemeinwesen blieb wie bisher tyrannisiert und exploitiert von einer privilegierten Minorität. Aber dennoch ist es ein Privilegium der höchsten Naturen, also schöpferisch zu irren. Die genialen Versuche großer Männer, das Ideal zu realisieren, wenn sie auch ihr Ziel nicht erreichen, bilden den besten Schatz der Nationen. Es ist Caesars Werk, daß der römische Militärstaat erst nach mehreren Jahrhunderten zum Polizeistaat ward und daß die römischen Imperatoren, wie wenig sie sonst auch dem großen Begründer ihrer Herrschaft glichen, doch den Soldaten wesentlich nicht gegen den Bürger verwandten, sondern gegen den Feind, und Nation und Armee beide zu hoch achteten, um diese zum Konstabler über jene zu setzen." [Theodor Mommsen, römische Geschichte; V. Buch]

Doch nun zurück zum Thema: Dieser Integrationsschwachsinn geht mir langsam auf den Keks. Die Römer warben germanische Söldner an, weil das römische Bauerntum, das Reservoir für das republikanische Milizheer zugrunde gegangen war:

"Noch besitzen wir das von Caesars eigener Hand nicht ohne Ironie gezeichnete Bild, wie in seinem eigenen Hauptquartier, als es gegen Ariovist gehen sollte, geflucht und geweint und an Testamenten und sogar an Urlaubsgesuchen gearbeitet ward. In der Soldatenschaft war von den besseren Ständen keine Spur mehr zu entdecken. Gesetzlich bestand die allgemeine Wehrpflicht noch, allein die Aushebung erfolgte, wenn es neben der Anwerbung dazu kam, in regelloser Weise; zahlreiche Pflichtige wurden übergangen und die einmal Eingetretenen dreißig Jahre und länger bei den Adlern festgehalten. Die römische Bürgerreiterei vegetierte nur noch als eine Art berittener Nobelgarde, deren salbenduftende Kavaliere und ausgesuchte Luxuspferde einzig bei den hauptstädtischen Festen eine Rolle spielten; das sogenannte Bürgerfußvolk war eine aus den niedrigsten Schichten der Bürgerbevölkerung zusammengeraffte Lanzknechttruppe; die Untertanen stellten die Reiterei und die leichten Truppen ausschließlich und fingen an, auch im Fußvolk immer stärker mitverwendet zu werden. Die Rottenführerstellen in den Legionen, auf denen bei der damaligen Kriegführung die Tüchtigkeit der Abteilungen wesentlich beruhte und zu denen nach der nationalen Kriegsverfassung der Soldat mit der Pike sich empordiente, wurden jetzt nicht bloß regelmäßig nach Gunst vergeben, sondern sogar nicht selten an den Meistbietenden verkauft. Die Zahlung des Soldes erfolgte bei der schlechten Finanzwirtschaft der Regierung und der Feilheit und Betrügerei der großen Majorität der Beamten höchst mangelhaft und unregelmäßig.

Caesars Reorganisation des römischen Militärwesens beschränkte sich im wesentlichen darauf, die unter der bisherigen schlaffen und unfähigen Oberleitung gelockerten Zügel der Disziplin wieder straff und fest anzuziehen. Einer radikalen Reform schien ihm das römische Heerwesen entweder nicht bedürftig oder auch nicht fähig; die Elemente der Armee akzeptierte er, ebenwie Hannibal sie akzeptiert hatte. Die Bestimmung seiner Gemeindeordnung, daß, um vor dem dreißigsten Jahre ein Gemeindeamt zu bekleiden oder im Gemeinderat zu sitzen, ein dreijähriger Dienst zu Pferde - das heißt als Offizier - oder ein sechsjähriger zu Fuß erforderlich sei, beweist wohl, daß er die besseren Stände in das Heer zu ziehen wünschte, aber ebenso deutlich auch, daß bei dem immer mehr einreißenden unkriegerischen Geist der Nation er selbst es nicht mehr für möglich hielt, die Bekleidung eines Ehrenamtes an die Überstehung der Dienstzeit unbedingt wie ehedem zu knüpfen. Ebendaraus wird es sich erklären, daß Caesar keinen Versuch gemacht hat, die römische Bürgerreiterei wiederherzustellen. Die Aushebung ward besser geordnet, die Dienstzeit geregelt und abgekürzt; übrigens blieb es dabei, daß die Linieninfanterie vorwiegend aus den niederen Ständen der römischen Bürgerschaft, die Reiterei und die leichte Infanterie aus der Untertanenschaft ausgehoben ward - daß für die Reorganisation der Kriegsflotte nichts geschah, ist auffallend. Eine ohne Zweifel ihrem Urheber selbst bedenkliche Neuerung, zu der die Unzuverlässigkeit der Untertanenreiterei zwang, war es, daß Caesar zuerst von dem altrömischen System abwich, niemals mit Söldnern zu fechten, und in die Reiterei gemietete Ausländer, namentlich Deutsche, einstellte." [Theodor Mommsen, römische Geschichte; V. Buch]

Ursache für diesen Niedergang, war der altbekannte und völlige entfesselte Kapitalismus:

"Es ist ein grauenvolles Bild, dies Bild Italiens unter dem Regiment der Oligarchie. Zwischen der Welt der Bettler und der Welt der Reichen ist der verhängnisvolle Gegensatz durch nichts vermittelt oder gemildert. Je deutlicher und peinlicher er auf beiden Seiten empfunden ward, je schwindelnd höher der Reichtum stieg, je tiefer der Abgrund der Armut gähnte, desto häufiger ward in dieser wechselvollen Welt der Spekulation und des Glücksspiels der einzelne aus der Tiefe in die Höhe und wieder aus der Höhe in die Tiefe geschleudert. Je weiter äußerlich die beiden Welten auseinanderklafften, desto vollständiger begegneten sie sich in der gleichen Vernichtung des Familienlebens, das doch aller Nationalität Keim und Kern ist, in der gleichen Faulheit und Üppigkeit, der gleichen bodenlosen Ökonomie, der gleichen unmännlichen Abhängigkeit, der gleichen, nur im Tarif unterschiedenen Korruption, der gleichen Verbrecherentsittlichung, dem gleichen Gelüsten, mit dem Eigentum den Krieg zu beginnen. Reichtum und Elend im innigen Bunde treiben die Italiker aus Italien aus und füllen die Halbinsel halb mit Sklavengewimmel, halb mit schauerlicher Stille. Es ist ein grauenvolles Bild, aber kein eigentümliches; überall, wo das Kapitalistenregiment im Sklavenstaat sich vollständig entwickelt, hat es Gottes schöne Welt in gleicher Weise verwüstet. Wie die Ströme in verschiedenen Farben spiegeln, die Kloake aber überall sich gleich sieht, so gleicht auch das Italien der ciceronischen Epoche wesentlich dem Hellas des Polybios und bestimmter noch dem Karthago der hannibalischen Zeit, wo in ganz ähnlicher Weise das allmächtig regierende Kapital den Mittelstand zugrunde gerichtet, den Handel und die Gutswirtschaft zur höchsten Blüte gesteigert und schließlich eine gleißend übertünchte sittliche und politische Verwesung der Nation herbeigeführt hatte. Alles, was in der heutigen Welt das Kapital an argen Sünden gegen Nation und Zivilisation begangen hat, bleibt so tief unter den Greueln der alten Kapitalistenstaaten, wie der freie Mann, sei er auch noch so arm, über dem Sklaven bleibt; und erst wenn Nordamerikas Drachensaat reift, wird die Welt wieder ähnliche Früchte zu ernten haben." [Theodor Mommsen, römische Geschichte; V. Buch]

...und die, durch Sklaverei herbeigeführte, Einwanderung:

"Aus Rom war der gute Stamm latinischer Nation längst völlig verschwunden. Es liegt in den Verhältnissen, daß die Hauptstadt ihr munizipales und selbst ihr nationales Gepräge schneller verschleift als jedes untergeordnete Gemeinwesen. Hier scheiden die höheren Klassen rasch aus dem städtischen Gemeinleben aus, um mehr in dem ganzen Staate als in einer einzelnen Stadt ihre Heimat zu finden; hier konzentriert sich unvermeidlich die ausländische Ansiedlung, die fluktuierende Bevölkerung von Vergnügens- und Geschäftsreisenden, die Masse des müßigen, faulen, verbrecherischen, ökonomisch und moralisch bankrotten und eben darum kosmopolitischen Gesindels. Auf Rom fand dies alles in hervorragender Weise Anwendung. Der wohlhabende Römer betrachtete sein Stadthaus häufig nur als ein Absteigequartier. Indem aus der städtischen Munizipalität die Reichsämter hervorgingen, das städtische Vogtding die Versammlung der Reichsbürger ward, kleinere, sich selber regierende Bezirks- oder sonstige Gemeinschaften innerhalb der Hauptstadt nicht geduldet wurden, hörte jedes eigentliche Kommunalleben für Rom auf. Aus dem ganzen Umfange des weitumfassenden Reiches strömte man nach Rom, um zu spekulieren, zu debauchieren, zu intrigieren, zum Verbrecher sich auszubilden oder auch daselbst vor dem Auge des Gesetzes sich zu verbergen. Diese Übel gingen aus dem hauptstädtischen Wesen gewissermaßen mit Notwendigkeit hervor; andere, mehr zufällige und vielleicht noch ernstere gesellten sich dazu. Es hat vielleicht nie eine Großstadt gegeben, die so durchaus nahrungslos war wie Rom; teils die Einfuhr, teils die häusliche Fabrikation durch Sklaven machten hier jede freie Industrie von vornherein unmöglich. Die nachteiligen Folgen des Grundübels der Staatenbildung im Altertum überhaupt, des Sklavensystems, traten in der Hauptstadt schärfer als irgendwo sonst hervor. Nirgends häuften solche Sklavenmassen sich an wie in den hauptstädtischen Palästen der großen Familien oder der reichen Emporkömmlinge. Nirgends mischten sich so wie in der hauptstädtischen Sklavenschaft die Nationen dreier Weltteile, Syrer, Phryger und andere Halbhellenen mit Libyern und Mohren, Geten und Iberer mit den immer zahlreicher einströmenden Kelten und Deutschen. Die von der Unfreiheit unzertrennliche Demoralisation und der scheußliche Widerspruch des formellen und des sittlichen Rechts kamen weit greller zum Vorschein bei dem halb oder ganz gebildeten, gleichsam vornehmen Stadtsklaven als bei dem Ackerknecht, der das Feld gleich dem gefesselten Stier in Ketten bestellte. Schlimmer noch als die Sklavenmassen waren die der rechtlich oder auch bloß tatsächlich freigegebenen Leute, ein Gemisch bettelhaften Gesindels und schwerreicher Parvenus, nicht mehr Sklaven und doch nicht völlig Bürger, ökonomisch und selbst rechtlich von ihrem Herrn abhängig und doch mit den Ansprüchen freier Männer; und eben die Freigelassenen zogen sich vor allem nach der Hauptstadt, wo es Verdienst mancherlei Art gab und der Kleinhandel wie das kleine Handwerk fast ganz in ihren Händen waren. Ihr Einfluß auf die Wahlen wird ausdrücklich bezeugt; und daß sie auch bei den Straßenkrawallen voran waren, zeigt schon das gewöhnliche Signal, wodurch diese von den Demagogen gleichsam angesagt wurden, die Schließung der Buden und Verkaufslokale. Zu allem dem kam, daß die Regierung nicht bloß nichts tat, um dieser Korrumpierung der hauptstädtischen Bevölkerung entgegenzuwirken, sondern sogar ihrer egoistischen Politik zuliebe ihr Vorschub leistete. Die verständige Gesetzvorschrift, welche dem wegen Kapitalverbrechens verurteilten Individuum den Aufenthalt in der Hauptstadt untersagte, ward von der schlaffen Polizei nicht zur Ausführung gebracht. Die dringend nahegelegte polizeiliche Überwachung der Assoziation des Gesindels ward anfangs vernachlässigt, späterhin als freiheitswidrige Volksbeschränkung sogar für strafbar erklärt. Die Volksfeste hatte man so anwachsen lassen, daß die sieben ordentlichen allein, die römischen, die plebejischen, die der Göttermutter, der Ceres, des Apoll, der Flora und der Victoria, zusammen zweiundsechzig Tage währten, wozu dann noch die Fechterspiele und unzählige andere außerordentliche Lustbarkeiten kamen. Die bei einem solchen, durchaus von der Hand in den Mund lebenden Proletariat unumgängliche Fürsorge für niedrige Getreidepreise ward mit dem gewissenlosesten Leichtsinn gehandhabt, und die Preisschwankungen des Brotkorns waren fabelhafter und unberechenbarer Art. Endlich, die Getreideverteilungen luden das gesamte nahrungslose und arbeitsscheue Bürgerproletariat offiziell ein, seinen Sitz in der Hauptstadt aufzuschlagen. Es war eine arge Saat und die Ernte entsprach ihr. Das Klub- und Bandenwesen auf dem politischen Gebiet, auf dem religiösen der Isisdienst und der gleichartige fromme Schwindel hatten hier ihre Wurzeln. Man war beständig im Angesicht einer Teuerung und nicht selten in voller Hungersnot. Nirgends war man seines Lebens weniger sicher als in der Hauptstadt: der gewerbsmäßig betriebene Banditenmord war das einzige derselben eigene Handwerk; es war die Einleitung zur Ermordung, daß das Schlachtopfer nach Rom gelockt ward; niemand wagte sich ohne bewaffnetes Gefolge in die Umgegend der Hauptstadt. Auch die äußere Beschaffenheit derselben entsprach dieser inneren Zerrüttung und schien eine lebendige Satire auf das aristokratische Regiment. Für die Regulierung des Tiberstromes ward nichts getan; kaum daß man die einzige Brücke, mit der man immer noch sich behalf, wenigstens bis zur Tiberinsel von Stein aufführen ließ. Für die Planierung der Siebenhügelstadt war ebensowenig etwas geschehen, außer wo etwa die Schutthaufen ausgeglichen hatten. Die Straßen gingen eng und winkelig Hügel auf und ab und waren elend gehalten, die Trottoirs schmal und schlecht gepflastert. Die gewöhnlichen Häuser waren von Ziegeln ebenso liederlich wie schwindelnd hoch gebaut, meistens von spekulierenden Baumeistern für Rechnung der kleinen Besitzer, wobei jene steinreich, diese zu Bettlern wurden. Wie einzelne Inseln in diesem Meer von elenden Gebäuden erschienen die glänzenden Paläste der Reichen, die den kleinen Häusern ebenso den Raum verengten wie ihre Besitzer den kleinen Leuten ihr Bürgerrecht im Staat und neben deren Marmorsäulen und griechischen Statuen die verfallenden Tempel mit ihren großenteils noch holzgeschnitzten Götterbildern eine traurige Figur machten. Von einer Straßen-, einer Ufer-, Feuer- und Baupolizei war kaum die Rede; wenn die Regierung um die alljährlich eintretenden Überschwemmungen, Feuersbrünste und Häusereinstürze überhaupt sich bekümmerte, so geschah es, um von den Staatstheologen Bericht und Bedenken über den wahren Sinn solcher Zeichen und Wunder zu begehren. Man versuche sich ein London zu denken mit der Sklavenbevölkerung von New Orleans, mit der Polizei von Konstantinopel, mit der Industrielosigkeit des heutigen Rom und bewegt von einer Politik nach dem Muster der Pariser von 1848, und man wird eine ungefähre Vorstellung von der republikanischen Herrlichkeit gewinnen, deren Untergang Cicero und seine Genossen in ihren Schmollbriefen betrauern." [Theodor Mommsen, römische Geschichte; V. Buch]

- der moderne Betrachter fühlt sich unweigerlich an die Zustände im heutigen Paris, London oder Berlin erinnert. Ein Grund mehr den Analogfantasien im Text entgegen zutreten:

"Was die Albanesen lange Zeit dem Türkischen Reich gewesen sind, das haben ihre Vorfahren dem römischen Kaiserstaat, als dieser bei ähnlicher Zerrüttung und ähnlicher Barbarei angelangt war, in gleicher Weise geleistet. Nur darf die illyrische Regeneration des römischen Kaisertums nicht etwa als eine nationale Reorganisation aufgefaßt werden; es war lediglich die soldatische Stützung eines durch das Mißregiment vornehm geborener Herrscher völlig herabgekommenen Reiches. Die Demilitarisierung Italiens war vollständig geworden, und Herrscherrecht ohne kriegerische Kraft erkennt die Geschichte nicht an." [Theodor Mommsen, römische Geschichte; VIII. Buch]
23.3.07 18:10


Wie sich doch alles wiederholt:

"Ich weiche nicht aus"

Oder die neoliberalen Tagträumereien des Bundeshorsts - von seiner würdelosen Kriecherei gegenüber der Türkei ganz zu schweigen – tja, mein kleiner Bundeshorst, weißt du denn nicht, dass man bereits im antiken Athen deine Ansichten verworfen hat? Wie drückte es doch Perikles aus, als er die Athener ermahnte, sich nicht zu sehr von der, ihre Stadt heimsuchenden, Seuche entmutigen zu lassen und stattdessen den Krieg gegen Sparta und dessen Verbündete voranzutreiben:

"Ich meine nämlich, ein Staat, der insgesamt aufrecht steht, sei für den Bürger eine größere Hilfe, als wenn es im einzelnen jedem darin wohl ergeht, das Ganze aber zerbricht. Ein Mann, dem es wohl gelingt mit all seinen Dingen, wird in den Untergang seiner Stadt trotz allem mit hineingerissen; hat er Unglück, so hilft er sich bei des Staates Wohlfahrt eher heraus. Wenn nun die Stadt das Mißgeschick des Einzelnen zu tragen vermag, aber der eine für sich das ihrige nicht kann, wie sollen da nicht alle für sie einstehen"
31.12.06 18:41


"Er gehörte zu den Menschen, die wohl eines Verbrechens fähig sind, aber keiner Insurbordination; im guten wie im schlimmen Sinne war er durch und durch Soldat. Bedeutende Individualitäten achten das Gesetz als die sittliche Notwendigkeit, gemeine als die hergebrachte alltägliche Regel; ebendarum fesselt die militärische Ordnung, in der mehr als irgendwo sonst das Gesetz als Gewohnheit auftritt, jeden nicht ganz in sich festen Menschen wie mit einem Zauberbann. Es ist oft beobachtet worden, daß der Soldat, auch wenn er den Entschluß gefaßt hat, seinen Vorgesetzten den Gehorsam zu versagen, dennoch, wenn dieser Gehorsam gefordert wird, unwillkürlich wieder in Reihe und Glied tritt; es war dies Gefühl, das Lafayette und Dumouriez im letzten Augenblick vor dem Treuebruch schwanken und scheitern machte, und eben demselben ist auch Pompeius unterlegen."

- Theodor Mommsen, "römische Geschichte"

"Denn man muß sagen, daß es Menschen gibt, die unter allen Umständen Sklaven sind, und solche, die es niemals sind. Dasselbe gilt auch von der Adligkeit. Sich selbst halten sie nicht nur bei sich zu Hause, sondern überall für adlig, die Barbaren aber nur in deren Land; denn es gebe eine Adligkeit und Freiheit, die dies schlechthin sei, und eine andere, die es nicht sei, wie etwa die Helena des Theodektes sagt: „Von beiden Seiten bin ich Sproß aus Götterstamm, wer darf es wagen, mich zu nennen eine Dienerin?“ Wenn sie dies sagen, so unterscheiden sie Sklaven und Freie, Adlige und Unadlige ausschließlich nach der Tugend oder Schlechtigkeit. Sie meinen nämlich, wie aus dem Menschen ein Mensch und aus einem Tier ein Tier entstehe, so werde auch aus dem Edlen ein Edles. Dies erstrebt die Natur zwar vielfach, erreicht es aber nicht immer."

- Aristoteles, "Politik"
3.12.06 23:01


"Bildung gewann den Charakter eines Glaubens, einer säkularen Religion; von daher stammt ihr außerordentlicher Rang im Haushalt des Lebens. Dieser religiöse Zug wurde durch die Verehrung der Griechen noch gesteigert. Universität und Gymnasium werden Quasi-Tempel, die Philosophen und Philologen eine Art neue Priester und Lebensführer, die Gnade des Geistes löst die Gnade Gottes, das Wort der Griechen Sein Wort ab; die Griechenreligion verdrängt die alten Bestände: Kreuz und Sünde, Erlösung und Jenseits, und ersetzt sie durch den Glauben an das Diesseits, an die Würde, Schönheit und die Vollkommenheit des Menschen."

- Thomas Nipperdey, "Deutsche Geschichte 1800-1866"
27.11.06 00:59


Pfarrer verbrennt sich aus Angst vor dem Islam

Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie erinnert mich dass stark an "das fliegende Selbstmordkommando" der judäischen Volksfront (in Monty Pythons "Das Leben des Brians")



Zitat: "Jetzt haben wir's ihnen gezeigt!"
2.11.06 00:03


1.11.06 03:31


Zynische Stimmen wissen ja schon lange, dass in der Spätzeit eines Volkes, wenn der Freiheitsdrang zugrunde geht, die Menschen sämtlich wieder fromm werden und nennen es Zweite Religiosität.



Was dabei herauskommt, wenn bärtige Antisemiten das Glauben anfangen, dürfte bekannt sein; dieser hier allerdings:


Ahmadineschads Brief an Merkel

Ist wirklich dumm wie Brot; dümmer als drei Iren:

"Das iranische und das deutsche Volk sind zwei große Nationen, die die Zivilisation befördert haben. Sie besitzen reiche Kulturschätze, standen an vorderster Front der Wissenschaft, Literatur, Kunst und Philosophie. Beide Völker sind sehr religiös und folgen den Lehren der Propheten Gottes. Sie haben eine lange Tradition in Wissenschafts-, Kultur- und Handelsbeziehungen und teilen viele wertvolle wechselseite Interessen."

Die Deutschen sollen sehr religiös sein, wie bitte? Deshalb fehlt der Papst sie auch an doch bitte wieder mit ihren Kindern die Messe zu besuchen und beklagt sich gar bitter, dass man taub gegenüber seinem Gott geworden ist. Dennoch, ich will diesem bärtigen Antisemiten Gerechtigkeit widerfahren lassen, nach der er doch so sehr dürstet. Schließlich ist er zu gut für diese Welt und gehört in den Himmel.
31.10.06 21:18


 [eine Seite weiter]



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung