It's only after we've lost everything that we are free to do anything...

  Startseite
  Über...
  Archiv
  God is in the TV
  Shakespeare
  Webwelt
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 



  Links
   Laibach
   12 Monkeys
   Zwobot
   Nine Inch Nails
   Blade Runner
   Tool
   Fight Club
   Nirvana



http://myblog.de/nevermind81

Gratis bloggen bei
myblog.de





Political Compass

so da ja bald Wahlen sind, kann man unter diesem lustigen Link herausfinden, wo man denn selbst politisch so rumgeistert...

http://www.politicalcompass.org/
3.7.05 03:25


Die Weibervolksversammlung

(von Aristophanes)

Ein etwas ungew?hnliches St?ck hat hier seinen Weg auf die B?hne gefunden, obwohl es schon fast zweieinhalb Jahrtausende alt ist, so ist es dennoch (Stellenweise) erschreckend modern und k?nnte durchaus aus der Feder neuzeitlicher, wenn nicht moderner Autoren stammen.

Hintergrund - Athen nach dem peloponnesischen Krieg: Die Demokratie hat schon merkliche Risse bekommen, Korruptions- und sozialer Unfrieden haben sich ausgebreitet und es fehlt an neuen Ideen und Politikern diese um zusetzten.

Das St?ck selbst beginnt mit einem freundartigen Lobhymnus auf die G?ttinnen Demeter und Persephone der von maskierten Frauen vorgetragen wird. Untermalt wird das ganze von antiken Kl?ngen, die das ganze St?ck begleiten werden und so den Zuschauer ein St?ck weit in die Antike versetzten. Auf dem Fest der G?ttinnen beschlie?en die Frauen unter Anleitung ihrer Anf?hrerin Praxag?ra, als M?nner verkleidet, an der Volkversammlung teilzunehmen und den Antrag zu stellen, das Regiment des Staates an die Frauen zu ?bertragen.

Was zuerst wenig Aussicht auf Erfolgt verspricht, da sich die Frauen wie alberne G?nse benehmen und sich dauernd verplappern und so Praxag?ra zur Wei?glut bringen. Dann nach verkleiden sie sich als M?nner und geben eine Gesangseinlage von sich, die stark an moderne Musicals erinnert und schenken danach rote Fahnen, bevor sie zur Volksversammlung aufbrechen. Wirken die antiken Gew?nder, in denen die Schauspieler ansonsten agieren, recht glaubw?rdig, so sehen die Frauen jetzt in ihren dunkeln M?nteln und Stiefeln mit den B?rten eher aus wie strenge puritanische Pilgerv?ter, die in die neue Welt aufgebrochen sind, um dort in der Armseligkeit ihres Gottes zu leben, als wie Athener auf dem Weg zur Volksversammlung. Aber man kann ja nicht alles haben?

Das St?ck bedient sich ?brigens einer sehr derben, volkst?mlichen und fast schon vulg?ren Sprache und thematisiert das Alltags- und Sexualleben, ebenso wie das politische und wirtschaftliche Leben der Stadt, ohne Tabus und sehr direkt. Was einen schon fast an der erhabenen, edlen Antike zweifeln lassen k?nnte ? da man solchen Tonfall ansonsten nur aus drittklassischen Comedy-Sendungen und dem verachteten Volkstheater kennt. Aber hier wirkt es doch erfrischend komisch.

Das Auftreten von M?nnern in Frauenkleidern, die sich wundern wo ihre Frauen und ihre Kleider geblieben sind und dann v?llig von der Nachricht ?berrascht werden, dass man beschlossen habe, den Frauen die Herrschaft zu ?bergeben, da diese besser f?r den Staat sorgen w?rden ? Praxag?ra bediente sich, bei ihrer Rede, allerlei m?nnlicher Vorurteile und Unterstellungen, um die Frauen zu loben? Zur ersten Staatsfrau gew?hlt, verk?ndet sie Ideen, die ernsthafte Zweifel ? nicht nur an der Zurechnungsf?higkeit des Autors ? sondern auch, an der Originalit?t des modernen Kommunismus und der Hippiebewegung aufkommen lassen. So verk?ndet sie die Abschaffung des Eigentums und die Einf?hrung einer kollektiven Wirtschaft ebenso, wie sie die Aufl?sung der Kleinfamilie fordert und die freie Liebe propagiert. Gegessen wird in Zukunft gemeinsam auf dem Markt, die Gerichte werden abgeschafft, weil es keinen Grund mehr f?r Verbrechen g?be, wenn Allen Alles geh?rt und auch die Bordelle werden geschlossen ? damit den freien Athenerinnen nichts mehr entgeht. Einen Sch?nheitsfehler hat das Ganze: Die Sklaven sollen von nun an die Arbeit f?r alle verrichten. (Was im alten Athen wohl kaum m?glich gewesen w?re ? Sklaven waren im klassischen Griechenland doch eher ein Luxusgut)

Nat?rlich hat so ein radikaler Umsturz auch Schattenseiten, damit niemand bei der freien Liebe zu kurz kommt, wurde das Gebot eingef?hrt, dass man zu erst mit einer h?sslichen bzw. alten Frau schlafen muss, bevor man sich an die Jungen wagen darf. (trotz alles Sympathie f?r die Frauen, bleibt der Dichter eben doch ein Mann) Aber es ist schon erheiternd, wenn sich alte Weiber um einen J?ngling zanken, der doch nur bei seiner Angebeteten sein will.

Ein St?ck, dass sich nicht unbedingt ernst nimmt ? aber grandios umgesetzt wurde. Leider etwas schlecht besucht und das obwohl so ein lauwarmer Sommerabend doch eigentlich ideal f?r einen Theaterbesuch ist. Mein Lieblingsst?ck, neben Mein Kampf (von George Tabori) in diesem Jahr (bis jetzt) ? zu sehen gibt es ganze ?brigens noch bis 31.07 in W?rzburg (der M?chtegernmetropole am Main), im Efeuhof des Rathauses genauer gesagt.

4.7.05 01:09


Julius Caesar auf Arte

Ich wei? es nicht, wie Ihr und andre Menschen
Von diesem Leben denkt; mir, f?r mich selbst,
W?r es so lieb, nicht da sein, als zu leben
In Furcht vor einem Wesen wie ich selbst.
Ich kam wie C?sar frei zur Welt, so Ihr;
Wir n?hrten uns sogut, wir k?nnen beide
Sogut wie er des Winters Frost ertragen.

http://www.arte-tv.com/de/woche/244,broadcastingNum=464535,day=6,week=27,year=2005.html

Auch der deutsch-franz?sische Kultursender Arte ist gegen klare Verh?ltnisse, wie sie uns nach der Wahl im September drohen, und hat daher einen Film, der klarstellt, wie mit denen zu verfahren ist, die sich ?ber alle anderen erhaben wollen?. und zwar am 7. Juli um 20:40

Julius Caesar (nach William Shakespeare)

Eine sehr werkgetreue Verfilmung, die ohne modernen Schickschnack auskommt, daf?r allerdings auch schon einige Jahre auf dem Buckel hat ? genauer gesagt aus dem Jahr 1953 stammt. Als Mark Anton ist ?brigens Marlon Brando zu sehen, den Arte mit einer kleinen Filmreihe ehrt. Die anderen Schauspieler d?rften kaum noch bekannt sein, der Film lebt haupts?chlich vom kongenialen Wechselspiel von Brutus (James Mason) und Cassius (John Gielgud) sowie dem beeindruckenden Auftritt von Louis Calhern als Caesar.

F?r Shakespeare typisch ist die Abwesenheit einer unbedingten Moral, eines absoluten Gut & B?se ? im St?ck prallen zwei Welten aufeinander: Auf der einen Seite der Herrscher ohne Makel ? Caesar ? und auf der anderen die Verteidiger der untergegangen Republik ? Brutus und Cassius ? die Caesar nicht wegen konkreten Unrechts st?rzen wollen, sondern weil es ihnen widerstrebt, sich einem Herrscher unterzuordnen. Das ganze St?ck ist ein leidenschaftliches Pl?doyer f?r die republikanisch-demokratische Staatsform und wird getragen durch einen unverbl?mten Hass auf den absolutistischen Herrscher, der den Menschen die Freiheit nimmt. Wobei Shakespeare nicht den Herrscher f?r seine Macht ?ber die Menschen verantwortlich, sondern die Menschen daf?r, dass sie es zulassen das sich gew?hnliche Menschen zu Herrschern aufschwingen?

Warum denn w?re C?sar ein Tyrann?
Der arme Mann! Ich wei?, er w?r kein Wolf,
Wenn er nicht s?h, die R?mer sind nur Schafe;
Er w?r kein Leu, wenn sie nicht Rehe w?ren.
Wer eilig will ein m?chtig Feuer machen,
Nimmt schwaches Stroh zuerst; was f?r Gestr?pp
Ist Rom, und was f?r Plunder, wenn es dient
Zum schlechten Stoff, der einem schn?den Dinge
Wie C?sar Licht verleiht?

Zwar kommt auch die Gegenseite zu Wort, doch anstatt ihre Sache zu verteidigen, lobt sie eher ihre Gegner oder betr?gt die Menschen, so wie dies Mark Anton in seiner Rede nach der Ermordung Caesars tut. Als er meisterhaft Brutus, der schlicht und ehrlich den Grund f?r Caesars Tod ? dessen ?bersteigerte Ehrsucht ? dargelegt hatte, als manipulierenden Redner bezeichnet und selbst jede Art von rhetorischen Kunstgriff verwendet, um das Geschehen in seinem Sinn zu deuten?

Sprachlich und inhaltlich eines der sch?nsten St?cke, auch wenn die deutsche Version, wie immer, gegen das englische Original ?u?erst armselig wirkt.

I wish he were fatter! But I am not afraid of him.
Still, if I were the sort of person who became afraid,
I do not know the man I would avoid
As soon as that spare Cassius. He reads too much,
He is a great observer, and he looks
Quite through men's actions into their hearts. He does not enjoy plays
Like you do, Antony; he does not listen to music.
He seldom smiles, and when he does, he smiles in such a way
That it's like he made fun of himself and looked down on his spirit
Because something could make it smile.
Men like him are never able to enjoy life
While they see someone greater than themselves,
And for that reason they are very dangerous.
4.7.05 02:03


Islamischer Terror in Europa

http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID4503952_NAV_REF1,00.html

Tja, dieses Mal hat es London erwischt ? unterbelichtete Gestalten k?nnten nun anmerken, dass Blair diesen Anschlag auch verdient habe, da er ja am Irakkrieg teilgenommen hat. Nur hat es Blair erwischt? Nein, getroffen hat es gew?hnliche Menschen.

Eine freie Gesellschaft kann sich vor derartigen Attacken nicht wirklich sch?tzen, das einzig Beruhigende dabei ist, dass es eine unfreie Gesellschaft ebenso wenig kann ? was man leider am gegenw?rtigen Russland sehen muss.

Die Frage ist nun wie auf solche Barbarei reagieren? Klar ist, dass der Staat seine Ma?nahmen versch?rfen muss und dies so tun muss, dass der Druck auf die potenziellen Attent?ter und Terroristen verst?rkt wird, ohne das die B?rgerrechte und Freiheiten aller eingeschr?nkt werden. Ein Drahtseilakt?

Es wird endlich Zeit, den Sumpf aus Apologeten, Sympathisanten, geistigen Brandstiftern und Unterst?tzern f?r diese Brut trocken zulegen ? denn ohne Unterst?tzung und ein sympathisierendes Umfeld sind die Fanatiker hilflos?

Wahrlich dieser Abschaum hat sich meine besondere Verachtung zu gezogen, nicht nur, weil er den Vork?mpfern des ?berwachungsstaats Argumente liefert, sondern, weil er all jenen Str?mungen, die ich ablehne, den Rassisten und Neofaschisten, letztendlich zu neuem Auftritt verhelfen wird.

Im konkreten Fall will ich mal hoffen, dass Blair einen Rest W?rde und Selbstachtung hat und sich nicht so erb?rmlich verh?lt wie es der neue spanische Ministerpr?sident es getan hat. Gro?britannien, jedoch sollte sich in maniefaltiger Weise erkenntlich zeigen, f?r die ihm erwiesene Aufmerksamkeit und diese Erkenntlichkeit auch mit Nachdruck und ?berzeugung gegen?ber den Urhebern (und ihren Sympathisanten) zur Geltung bringen?
8.7.05 02:59


Krieg der Welten:

Seht euch diesen Film NICHT an! Die Medienschlampen sind allesamt gekauft und bel?gen euch!

Vorweg genommen, der Film h?lt sich in etwa an die Romanvorlage, weshalb es keinen Einsatz von Atomwaffen und dem damit verbundenen ?ach Mist, nicht mal Atombomben helfen gegen die Eindringlinge?? Erlebnis. Ansonsten h?lt sich der Film strikt an Independence Day ? sprich die Menschen haben keine Chance und die Aliens werden von undurchdringlichen Superschutzschilden vor allen feindlichen Beschuss bewahrt. Auch verwundert es sehr wenig, dass man die Aliens nicht vor Filmstart der ?ffentlichkeit gezeigt hat, da auch hier das Standartdesign verwendet wurde oder gar doch die Selben wie bei Independence Day.

Das einzig sehenswerte am Film ist der Auftritt von Tom Cruise, als heruntergekommener Versager Ray, ganz wie am Anfang von Last Samurai. Wirk sein rebellischer Sohn Robbie noch halbwegs glaubw?rdig, so erinnert seine Tochter eher an die au?erirdischen d?monischen Superkinder in einem 60ziger Jahre Film ? sie scheint weitaus intelligenter und erwachsener zu sein, als alle anderen in dem Film. Der gr??te Konkurrent von Ray ist Tim, der nun mit Rays Frau Mary Ann ? gespielt von Miranda Otto (ein verzweifelter Versuch LotR-2 Untergangsstimmung in den Film zu bringen) - zusammen ist, auch Rays Kinder finden Tim toll? Allerdings ist selbst der Anfang des Films recht langweilig und das auftauchen der Aliens ?ndert nur wenig daran. In riesigen Multifunktions-Robotern treten diese in Erscheinung, besonders spa?ig sind die Multifunktionswaffen. Treffen sie einen Menschen, so l?st sich dieser familienfreundlich in Staub auf ? ganz so wie in jedem Vampirfilm ? treffen sie dagegen ein Haus oder sonstige Dinge, so gibt es Flammen und Explosionen. Urknall, W?rme, Tod?

Tja, zur Handlung: Tom Cruise tritt hier die ganze Zeit als w?rdeloses Weichei auf, dass alles tut um seine Familie zu retten ? nur wohin retten, wenn die Aliens die Menschheit ausrotten wollen? Sein Sohn verachtet ihn daf?r, w?hrend die Tochter v?llig hysterisch ist. Dann f?hrt das (US)Milit?r durchs Bild und es wird das you?re in the army now Cover von Laibach eingespielt, was immer wiederholt wird, wenn das Milit?r im Film auftritt. Ich will dem Leser Einzelheiten von der weinerlichen Art des Ray Charakters ersparen, nur soviel: Er tut nichts gegen die Aliens bis diese sich seine kleine Tochter schnappen und dann gibt er nat?rlich den Kriechern vom Mars richtig Zunder?

Die Bilder des Films m?gen bedrohlich wirken, jedoch steht dazu das Verhalten von Ray im krassen Gegensatz zu der Handlung ? Rays heile Welt Getue wirkt zwangsweise komisch und die Szene mit dem Auto an der F?hre macht auch nicht wirklich Sinn?

Alles in Allem ist der Film sein Geld nicht wert, die Schockbilder wirken nicht besonders und au?er Rays Familientrag?die baut sich wenig bis gar keine Sympathie zu den anonymen Fl?chtlingsmassen auf, auch das verteidigende Milit?r erh?lt nicht wirklich Profil ? ebenso wenig wie die finsteren Au?erirdischen, die faktisch nicht vorkommen und nur in ihren Kampfrobotern zu sehen ist ? einer der gro?en logischen M?ngel des Films, da die Dinger unter der Erde versteckt waren und das seit Millionen von Jahren, was im Gegensatz zum Anfangsmonolog steht und absolut keinen Sinn macht?

2-6/10 (ein Film den ich mir kein zweites Mal ansehen w?rde
8.7.05 12:34


Network – Fernsehen wird nie wieder das

Eine wunderbar sarkastische und respektlose Abrechung mit dem Medium Fernsehen, durch das Medium Fernsehen selbst.

Die Story: Der alternde Nachrichtensprecher Howard Beale soll, wegen schlechter Quoten, entlassen werden. V?llig verzweifelt k?ndigt er in einer Sendung an, sich ?ffentlich umzubringen. Dies und sein Ausspruch: "Ihr k?nnt mich alle am Arsch lecken ? ich lass' mir das nicht l?nger gefallen!" wenden das Blatt. Nicht zuletzt deshalb, weil die junge und ehrgeizige Diana aus der Nachrichtensendung eine Unterhaltungsshow machen will und ihr Ziel skrupellos verfolgt. Gerade ihre Argumentation, gegen Einw?nde die Seriosit?t einfordern und an die Verantwortung der Medien erinnern, schmettert sie mit den Anforderungen des Marktes ab. So nehmen die Dinge ihren Lauf und Beale wird von Nachrichtensprecher zum Propheten und Demagogen. Der sp?ter das Evangelium des Neoliberalismus und des postmodernen Kapitalismus den Massen predigt.

Der Film zieht aber nicht nur die Medien und deren Glaubw?rdigkeit durch den Kakao, sondern auch die bewusste Instrumentalisierung der Medien durch bestimmte Gruppen. Nichts ist g?ttlicher als Dianas Plan, mit der ?kumenischen Befreiungsfront eine Politshow zumachen? nat?rlich gibt es auch Firmeninterne Machtk?mpfe und den alternden Zauberlehrling, der die Geister, die er rief, nicht mehr b?ndigen kann?

So mehr will ich jetzt nicht verraten, denn man muss den Propheten Howard Beale in Aktion gesehen haben ? den Film gibt es am Montag gegen 0:40 auf ARD zu sehen und auch auf DVD zu kaufen.
10.7.05 23:39


Götz von Berlichingen von Goethe

Der deutsche Dichterf?rst hat bekannter weise stark und der Assoziation mit seinem Zeitgenossen Schiller zu leiden. Durch die Anerkennung, als deutscher Klassiker und den damit verbundenen Lobreden von Bildungsaposteln, umgibt ihn eine Aura der Verstaubheit und des Desinteresses.

Was mir zumindest anhand dieses St?ckes unverdient erscheint. Aufgef?hrt, sozusagen am Originalschauplatz ? der Familienburg der Hauses Berlichingen in Jagsthausen ? und mit historischen Kost?men, entfaltet das St?ck eine erfrischende und ?u?erst unterhaltsame Wirkung auf den Zuschauer. Auch, wenn das Publikum sehr gew?hnungsbed?rftig ist, wie dies nun mal bei 21 Euronen pro Karte, nicht anders zu erwarten war. So wurde nach jeder Szene, selbst wenn diese nur wenige Minuten dauerte, eifrig Beifall geklatscht.

Man f?hlt bei dieser Gelegenheit den schmerzlichen Umstand, dass es in diesen tristen Breitengraden kaum Amphitheater gibt. Nichts ist herrlicher als in einer lauwarmen Sommernacht dem Spiel zu lauschen ? obwohl das Wetter dieses Mal nicht recht mitspielen wollte.

Das St?ck selbst besticht durch seine fein und glaubw?rdig gezeichneten Dialoge, die Logik der Handlung und die ausgefeilten Dialoge. Die Handlung selbst baut sich um die Zeit der Bauernkriege und der Wirren bei dem ?bergang der alten feudalen Ordnung in das absolutistische Territorialf?rstentum und den endg?ltigen Zerfall der Zentralgewalt. Held der Geschichte ist, wie nicht anders zu erwarten, der Ritter G?tz von Berlichingen. Der gegen die ausufernde Macht der F?rsten und gegen die Unterdr?ckung des Volks k?mpft.

Im St?ck ruft Kaiser Maximilian I. die Reichst?nde und F?rsten dazu auf mit ihm gemeinsam der osmanischen Bedrohung entgegen zu treten. Diese jedoch verweigern ihm den Gehorsam und verweisen auf die Bedrohung durch die Bauern und die freien Reichsritter, welche die F?rsten in deren Abwesenheit ihrer G?ter berauben w?rden. Danach schenkt die Handlung auf das Leben des G?tz von Berlingen, der Anfangs versucht, seinen alten Weggef?hrten Weislingen wieder auf seine Seite zu ziehen, da dieser mittlerweile ein Gefolgsmann des intriganten Bischofs von Bamberg geworden ist. Nach anf?nglicher Reue kehrt er jedoch bald wieder an den Hof des Bischofs zur?ck und versetzt Maria (die Schwester seines alten Freundes), der er die Ehe versprochen hat. Daf?r wendet er sich Adelheid von Walldorf zu, einer recht eindrucksvollen femme fatale, die mit ihm spielt und eine Aff?re mit seinem Diener beginnt, aber eigentlich nur Augen f?r den Thronfolger Karl hat. Berlichingen kann es, trotz wiederholter Mahnungen, nicht lassen seine Fehden und Raubz?ge fortzusetzen und somit f?llt ?ber ihn die Reichsacht und er wird nach schweren K?mpfen in seiner Burg eingeschlossen, wo er auf die Aufforderung sich zu ergeben mit seinem ber?hmten Satz antwortet:

?Mich ergeben! Auf Gnad und Ungnad! Mit wem redet Ihr! Bin ich ein R?uber! Sag deinem Hauptmann: Vor Ihro Kaiserliche Majest?t hab ich, wie immer, schuldigen Respekt. Er aber, sag's ihm, er kann mich im Arsch lecken!?

Er kann sich zwar noch einmal retten, aber als ihn die brandschatzenden Bauern zwingen ihr Hauptmann zu sein, sinkt mit deren Niederlage auch sein Stern f?r immer. Er wird eingekerkert und stirbt im Gef?ngnis?

In Goethes Helden steckt sehr viel von dem damaligen Aufbegehren des B?rgertums gegen die angestaubte Ordnung des Absolutismus. G?tz von Berlichingen symbolisiert hier den freien Menschen im Kampf gegen die Allmacht der F?rsten. Aufrecht, volksnah, tapfer und edel liegt es diesem Menschen fern sich an seinen Feinden zu r?chen. Mit seinem Helden distanziert sich der Autor auch stark von den Racheexzessen der Revolution, deren einziges Ziel Rache f?r die erlittenen Schmerzen ist, Rache nicht nur an den vermeintlich Schuldigen sondern an der ganzen Welt, so wie die Bauern im St?ck, die Gegend heimsuchen und St?dte und D?rfer verw?sten.

Nat?rlich kann es sich Goethe auch nicht vergreifen das Christentum zu verspotten, nicht nur dass, wie ?blich, die Amtskirche als parasit?res Unget?m dargestellt wird und der Bischof und seine Lakaien die eigentlichen Schurken des St?ckes sind. Sondern auch darin, dass ein M?nch seine Lebensweise verflucht und den mit beiden Beinen im Leben stehenden Helden bewundert und gerne so sein m?chte wie dieser:

Was ist nicht beschwerlich auf dieser Welt! und mir kommt nichts beschwerlicher vor, als nicht Mensch sein d?rfen. Armut, Keuschheit und Gehorsam - drei Gel?bde, deren jedes, einzeln betrachtet, der Natur das Unausstehlichste scheint, so unertr?glich sind sie alle. Und sein ganzes Leben unter dieser Last, oder der weit dr?ckendern B?rde des Gewissens mutlos zu keuchen! O Herr! was sind die M?hseligkeiten Eures Lebens, gegen die J?mmerlichkeiten eines Standes, der die besten Triebe, durch die wir werden, wachsen und gedeihen, aus mi?verstandener Begierde Gott n?her zu r?cken, verdammt?

Tja, wie schon gesagt, ich bin schwer begeistert von diesem St?ck und kann, zumindest etwas, die scheinbar Ma?lose Begeisterung die manche f?r Goethe empfinden nachvollziehen. Ebenso wie mir dieses und bei Goethe und Schiller nicht mehr ganz so harmlos vorkommt. G?tz von Berlichingen ist eines von Goethes ersten St?cken, vergleicht man es mit Schillers Erstlingswerk die R?uber, so sollte es einem kalt den R?cken hinunterlaufen? ich f?hle das eine ungesunde Begeisterung f?r Goethe im Anmarsch ist.

Das St?ck wird ?brigens jedes Jahr bei den Burgfestspielen in Jagsthausen aufgef?hrt. (Jagsthausen liegt irgendwo in der S?ddeutschen Wildnis, bei Heilbronn im Norden Baden-W?rttembergs, um genau zu sein.)
17.7.05 00:13


Filmtipps

Im Schatten des Terrors ? S?dafrika in den letzten Jahren der Apartheid. Regierungsstellen schicken den ?Polizisten? Andries Fourie auf eine geheime Mission. Er soll sich, als ?berl?ufer getarnt, Zugang zum milit?rischen Fl?gel des ANC verschaffen und dessen Anf?hrer - Matthews Kage ? liquidieren. Dabei begibt sich der Film mit Fourie auf eine Reise durch dessen Vergangenheit und damit der Vergangenheit des rassistischen Minderheitsregimes in Pretoria. F?r Fourie verschwimmen blad die Grenzen zwischen richtig und falsch, zwischen seiner Mission und seinem Umfeld. Dann bricht der friedliche politische Wandel ?ber S?dafrika herein und die Welt in der Fourie und Kage lebten existiert von heute auf Morgen nicht mehr? jedoch ist dieser Film weit davon entfernt, auch nur das geringste mit sentimentalen Antirassismusfilmen gemeinsam zu haben, er ist d?ster, realistisch und ohne Hoffnung ? das Ende bleibt so offen, wie die Richtung der Entwicklung des neuen, demokratischen S?dafrika offen bleibt?

Sonntag (17.07) ZDF 01:15

Aguirre, der Zorn Gottes ? Ende des 16.Jahrhunderts k?mpft sich eine spanische Expedition, auf der Suche nach den legend?ren Goldland El Dorado, durch den s?damerikanischen Dschungel. Mit dabei ist Don Lope de Aguirre ? gespielt von Klaus Kinski himself ? schon bald beschlie?t zu rebellieren und erkl?rt den K?nig von Spanien f?r abgesetzt. R?cksichtslos treibt er seine M?nner voran in seinem Streben nach Macht und Reichtum?

Donnerstag (21.07) VOX 0:10

17.7.05 18:50


Filmtipps...

Z ? 60ziger Jahre: In einem namenlosen mediterranen Staat, wird der F?hrer der Opposition ermordet, der sich gegen die Aufr?stung und die autorit?re Regierung einsetzt. Anfangs versuchen die Beh?rden das Ganze als Unfall darzustellen und lassen Zeugen und Beweise verschwinden. Um der Sache einen legalen Charakter zu verleihen, beauftragen sie einen kleinen Untersuchungsrichter mit den Ermittlungen. Allerdings erwei?t dieser sich als h?chst Gesetzestreu und deckt nach und nach die Verschw?rung auf. Was zum Auftreten einen unglaublich faschistoiden Generalstaatsanwalts f?hrt? der Epilog ist eine Klasse f?r sich und nat?rlich sind s?mtliche Parallelen zum Milit?rputsch in Griechenland rein zuf?llig ? ein Meisterwerk des politischen Kinos.

(Montag 20:50 auf Arte)

Queimada ? die Verbrannte, wie die Portugiesen die Insel taufen, ist eine Insel in der Karibik, auf der Zuckerrohr angebaut wird. Eine Arbeit die von schwarzen Sklaven erledigt wird. Gro?britannien m?chte den Zuckerrohrhandel gerne unter seine Kontrolle bringen und entsendet dazu Sir William Walker (Marlon Brando) um einen Aufstand gegen die Portugiesen anzuzetteln. Dazu baut er den jungen Jose Dolores zum Anf?hrer eines Sklavenaufstands auf? die Revolution ist erfolgreich, doch Jahre sp?ter wird Walker erneut auf die Insel geschickt, dieses Mal um seinen alten Freund zu beseitigen, der erneut gegen die bestehenden Verh?ltnisse rebelliert?

(Montag 0:25 ebenfalls auf Arte)
31.7.05 17:13





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung