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Nationalismus bei Beckmann

Aus der Reihe: Tiefpunkte der Diskussionskultur.

Die Quelle des Blöden

Heimlich, still und leise scheint eine neue Nationalstolzdebatte ausgebrochen zu sein – freilich, wo und wann sie stattfindet, das wissen nur Insider, die ihr Wissen mit niemanden teilen; somit bleibt auch die ominöse Debatte vor den fragenden Augen der Öffentlichkeit verborgen. Trotzdem scheint Beckmann von ihrer Existenz oder zumindest ihrer Notwendigkeit überzeugt: Also initiiert er kurzer Hand selbst eine Nationalstolzdebatte und holt sich dazu ein recht gewöhnungsbedürftiges Ensemble:

Matthias Matussek (von der Hamburger Lokalpostille "Der Spiegel"): Hat anscheinend Laibachs "Geburt einer Nation" in den falschen Hals bekommen und faselt die ganze Zeit etwas von Nation, Religion und Kultur...

Hugo Egon Balder (wer auch immer das sein mag): Ist davon überzeugt, dass den Deutschen aber auch alles befohlen und von oben verordnet werden müsse...

Alice Schwarzer (genau die): Ist heute in einer etwas ungewohnten Rolle zu sehen. Als verzweifelte Mahnerin, versucht sie der Runde zu erklären, dass Werte wie Humanismus, Aufklärung und Toleranz keine spezifisch deutschen Werte sondern eher von allgemeiner Natur sind. Die üblichen Anschuldigungen gegen die Männer als Urheber allen Übels bleiben aus – einzig der Islam und dessen Männlichkeitswahn bekommen ihr Fett weg...

Gregor Gysi (genau der): Versucht Alice aus der Reserve zu locken, indem er den Nationalismus als rein männliche Abart darzustellen versucht; es gelingt ihm nicht, ebenso wenig kann er mit seinem Sozialismusverschnitt oder der Ostdeutschenopferrolle punkten... auch das Märchen von der Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Verbrechen betet er vor, ohne damit dem kundigen Zuschauer imponieren zu können.

Florian Langenscheidt (ebenfalls unbekannt): Unterstützt, wenn gleich etwas weniger leidenschaftlich, Matussek bei dessen nationalen Visionen...

Til Schweiger (Sänger der bekannten Popband "Rammstein", die mit ihrem "Tanzmetal" genannten Musikstil seit geraumer Zeit die internationalen Charts stürmt): Bevorzugt es seinen Schuldrucksack immer dabei zu haben, damit er sich den Nationalismus verkneift. Schuld als identitätsstiftendes Mittel? Nebenbei: Sind wir denn Christen, dass ein Gott über uns stünde, der die Sünde der Väter bis in die vierte Generation straft? Schuld ist somit immer etwas Individuelles und kann folglich nur diejenigen treffen, die teil hatten an den NS-Verbrechen...

Die ganze Runde machte ohnehin einen recht alkoholisierten Eindruck, das war wohl doch kein Wasser in den Gläsern... absolutes Highlight war die Äußerung eines pro nationalen Teilnehmers: Die Deutschen seien die Griechen Europas gewesen – als ob Griechenland nicht in Europa liegen würde und unserer schöner Kontinent nicht nach einer griechischen Sage benannt wäre.
3.6.06 01:11


heidnische Götzenanbetung: Tool in Berlin

Die Örtlichkeit: Eine riesige Lagerhalle mit dem Scharm eines Backsteinhaufens und gute Chancen auf den Preis, für die beste Großraumsauna Berlins – zum Glück war das Wetter einigermaßen kühl, sonst wäre es drinnen - mit an die 7000 Leuten – wohl kaum zu ertragen gewesen.

Das Publikum: "Tool's fanbase is the most annoying fanbase in the world. Bunch of magick-masturbatory pseudo-psycho-intellectual Bill-Hicks-quoting self-righteous douchebags. I HATE the generic Tool fan." – und es gibt verdammt viele davon an einem lauen Sommerabend in Berlin. (das Licht geht aus: Jubel, als wäre gerade eben Jesus gekreuzigt worden; die Musikanten kommen auf die Bühne: noch mehr Jubel; erste Instrumentenklänge hallen durch den Raum: der Jubel steigt erneut und dann kommt der Sänger, mit standesgemäßen Cowboyhut, auf die Bühne: wieder steigt der Jubel – so als wäre dies etwas Besonderes, etwas Wichtiges...)

Das Konzert: Es beginnt mit einigen neuen Stücken, dann Klassiker wie Stinkfist oder 46 & 2, die dann wieder mit neuen Stücken vermengt werden; an der Darbietung selbst ist nichts auszusetzen – na ja, der Gesang ging gelegentlich unter – ansonsten war das Konzert hypnotisch, druckvoll und mitreißend. Drei eingeplante Zugaben gab es noch, zu denen auch die üblichen Videoversatzstücke schon bereitlagen. Visuell war es dieses Mal nicht unbedingt die Meisterleistung Tools. Arg kurz war es und für 40 Euronen hätte man eine Vorgruppe erwartet – zumindest die Einstürzenden Neubauten oder ähnliche Berliner Musikanten hätten vorher etwas Krach machen gekonnt; an die 90 Minuten Konzert für 40 € pro Nase? Tja, da verwundert es dann nicht, wenn der Sänger die Rückkehr vor Jahresende androht: Maynard dein Volk ist tausende von Meilen gewandert, nur um deine Stimme zu hören und machst du einfach, nach eineinhalb Stunden, Schluß?
9.6.06 00:14


"Demand me nothing: what you know, you know: From this time forth I never will speak word." (Jago, "Othello")
15.6.06 21:16


White Trash II

Woraus ziehen diese neuvölkischen Strömungen aber ihre Resonanz? Nun ja, es gibt sicher immer einen gewissen faschistischen und rassistischen Bodensatz in der Gesellschaft, aber sicher hat es viel mit wirtschaftlichen Spannungen und Existenzängsten zu tun – was zum einen die Furcht vor Arbeitsplatzverlust, durch Einwanderer, hervorruft und zum anderen Regionen erzeugt, die von den Gebildeten in Scharen verlassen werden und in denen folglich nur die Unterprivilegierten, Chancenlosen und Verlierer der Gesellschaft leben und sich von der Stütze fleißig Alkoholika kaufen. Eine solche antiintellektuelle und von Gewalttätigkeit geprägte Region bietet natürlich das ideale Betätigungsfeld für eine Schuldzuweisungen und Feindbilder. Dort finden sie einen sehr fruchtbaren Boden, die Neuvölkischen.

Allerdings ist dies nur eine Seite der Medaille; die andere ist die verfehlte und chaotische Einwanderungspolitik der europäischen Länder, die in der Form am längsten von England und Frankreich betrieben und zugelassen wurde; in Zeiten des Wirtschaftswunders der fünfziger und sechziger Jahre holte man massenhaft ungebildete und damit billige Arbeitskräfte, auf Geheiß der Industrie. Mögen die europäischen Völker einigermaßen kulturell verwandt sein und ähnliche Auffassungen und Sitten besitzen, sich in ganz Europa die Gesellschaften zeitnah liberalisiert und individualisiert haben und ist allen die Industrialisierung gemeinsam – jener technische Umbruch in die Moderne, der die überkommenen sozialen und religiösen Werte wie kaum etwas anderes zerstört hat – so fehlt dies alles den Einwandern von außerhalb Europas; daher gibt es auch keine automatische Verschmelzung und Nivellierung mit der indigenen Bevölkerung – ins besondere die starren religiösen und patriarchalischen Strukturen verhindern dies. Dazu kommt noch – und hierin zeichnet sich besonders Deutschland aus – dass die Einwanderung als ein zeitlich begrenztes Phänomen (Stichwort: "Gastarbeiter") empfunden und vermittelt wurde; Millionen von Menschen sind ins Land geholt und gelassen wurden und trotzdem erklärte die CDU fast vier Jahrzehnte munter, dies sei gar kein Einwanderungsland und so wurden weder Maßnahmen zu Integration (besser gesagt: Assimilierung) der Neuankömmlinge getroffen noch - wie in der Schweiz – deren Aufenthalt tatsächlich zeitlich begrenzt. So erschafft man Parallelgesellschaften, danke CDU. Daraus entstehen natürlich mannigfaltige Konflikte; diese und die Tatsache, dass Rassismus keine europäische Eigenart ist, sondern in allen Teilen der Welt (und vielfach wesentlich stärker) anzutreffen ist, nutzen die rechten Agitatoren geschickt für sich aus: Indem sie auf den Rassismus der Eingewanderten gegenüber den Einheimischen hinweisen oder von Doppelmoral und manipulierenden Medien sprechen – ein Beispiel:

http://news.bbc.co.uk/1/hi/scotland/4022567.stm

Es scheint tatsächlich so, dass die großen Medien weitaus häufiger über "rassistisch" motivierte Gewalttaten "heimischer" Rassisten berichten und ähnlich gelagerte Fälle in denen "ausländische" Täter – insbesondere diese Landplage von Jugendbanden – verwickelt sind, werden verschwiegen oder verzerrt dargestellt; selbiges gilt für Faschismus, Rassismus, Nationalismus und ein Stück weit auch für Antisemitismus. Ein kleines Beispiel: Jüngst marschierten türkische Nationalisten durch die Straßen Berlin, sie demonstrierten gegen die so genannte Lüge vom Völkermord der Osmanen an den Armeniern. Dabei führten sie überdimensionale der Hauptschuldigen mit sich; will man einen Vergleich, dies ist in etwa so wie wenn die deutschen Neuvölkischen auf einer Demonstration, welche die Nationalsozialisten Verbrechen in Abrede stellt, solche Bildnisse von Heinrich Himmler oder Reinhardt Heydrich mit sich führen würden. Es wird also in Europa tatsächlich – und gerade in diesem Land – mit zweierlei Maß gemessen; aber ob eine Beseitigung dieses Missstandes ausgerechnet diesen Kritikern so unbedingt gefallen würde? Schließlich ist ihnen ja nicht damit geholfen, wenn die Leugner des Völkermords an den Armeniern nun auch eingesperrt werden – was uns freilich nicht darin hindern soll, auch diesen fortan Gerechtigkeit – in Form von ausgedehnten Zuchthausstrafen – widerfahren zu lassen... aber zurück zu unserem obigen Beispiel – ähnliches findet sich auch hier, wie beispielsweise die Hamburger Lokalpostille, der Spiegel, berichtet:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,418236,00.html

"Mohammed hat eine einfache Erklärung dafür, warum Sarah Schläge bekam und dabei gefilmt wurde: "Die ist eine Schlampe!" Und wer eine "Schlampe" sei, der habe es nicht anders verdient. So einfach ist das für viele, die sich mit Gewaltvideos, auf denen sie Mädchen quälen, in der Rangordnung ihrer Clique nach oben katapultieren wollen. "Meist sind es deutsche Mädchen die Opfer von Gewalt werden - bei türkischen oder arabischen trauen sich die Jugendlichen oft nicht so weit", sagt Markus M."

Wahre Goldstücke, diese Jugendlichen mit Migrationhintergrund - wirklich. Denkt man zurück am Hildesheim, wo jüngst ein 13-Jähriges Mädchen von sechs Jugendlichen – ebenfalls mit Migrationshintergrund - mehrfach vergewaltigt wurde und deren Angehörigen nach der Anzeige des Abscheulichen Verbrechens auch noch bedroht wurden – aus dem Kreis der Angehörigen der Täter. Wie passt die besonnene und zynisch-kalte Reaktion, der lieben Behörden, da nur zusammen, mit der hektischen Hysterie des Generalbundesanwalts, der, nach einer, möglicherweise rassistisch motivierten Schlägerei an einer Potsdamer Straßenbahnhaltestelle, die mutmaßlichen Verdächtigen nach Karlsruhe per Hubschrauber fliegen ließ, ganz so als hätten sie einen erneuten Marsch of die Feldherrenhalle gemacht? Gab es damals einen öffentlichen Aufschrei? Protestmärsche und Überreaktionen der Sicherheitskräfte? Nein? In Potsdam hätte man keinerlei Verständnis für die mutmaßlichen Täter und ganz Ostdeutschland wurde kollektiv in Haftung genommen, doch hier? Was musste der geneigte Beobachter hören?

http://www.n-tv.de/534076.html

"Bei der Suche nach Erklärungen für die Handlungsweise der beschuldigten Jugendlichen müsse man deren türkische Herkunft berücksichtigen, sagte der Leiter der Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen, Christian Pfeiffer. «Diese Jungen wachsen in einer ausgeprägten Macho-Kultur auf.» Dies könne zu der Vorstellung führen, dass man sich als Mann eine Frau nimmt, wenn man sie haben will."

Prozess in Hildesheim

Sieht man sich dann das Strafmaß mit Begründung an, so kommen einem leichte Zweifel – in Vergewaltigungsfällen schenkt man gewöhnlich der Frau mehr Glaubwürdigkeit und eine 13-Jährige die mit sechs Jungen freiwillig Geschlechtsverkehr hat? Na ja, ein Schelm wer Arges dabei denkt; vielleicht hat das Gericht tatsächlich objektiv entschieden, andernfalls bleibt das Strafmaß lächerlich – fünf Jahre Jugendstrafe wären das mindeste gewesen (so nach dem gesunden Menschen verstand zu urteilen...) Man recht schnell, welche Geisteshaltung hier zu dem Urteil geführt haben könnte und bekommt das Kotzen. Meldungen solcher Übergriffe und Schandtaten häufen sich übrigens – selbst so unverdächtige Leute wie Alice Schwarzer bemerken, dass hier etwas gewaltig im Argen liegt: (mehr: http://www.aliceschwarzer.de/632103124463906.htm)

"Ein Kölner Polizist hat mir kürzlich erzählt, siebzig oder achtzig Prozent der Vergewaltigungen in Köln würden von Türken verübt. Ich habe ihn gefragt: Warum sagen Sie das nicht, damit wir an die Wurzeln des Problems gehen können? Er antwortete: Das dürfen wir ja nicht, Frau Schwarzer, das gilt als Rassismus."

Auch eine Art des Umgangs mit Problemen – und so ganz nebenbei: Ich kann nicht finden, dass der liebe Rechtsstaat mit der nötigen Härte und der angemessenen Konsequenz auf solche Verbrechen reagiert – eigentlich sollte der Erfolg von Richter Schill und Konsorten hier Warnung genug sein, aber irgendwie meint man, man könne das Problem ignorieren und weiterhin diese Kuschelstrafpolitik betreiben. Hier setzten sie an die Neuvölkischen, hier treten sie mit Vorliebe als Verteidiger "deutscher" Interessen auf; natürlich ist ihnen sehr daran gelegen die bestehenden Spannungen eskalieren zu lassen und aus den durchaus berechtigten Befürchtungen und Nöten der Menschen Kapital zu schlagen. So protestieren sie mit gegen Moscheeneubauten und ähnliches – ganz bürgerlich, ganz ordentlich und oftmals unter Polizeischutz.

Nun frag man sich allerdings, was diese "deutschen" neuvölkischen Schlägerhorden mit den schwerkriminellen "ausländischen" Jugendbanden zu tun haben? Nun grundsätzlich sehr viel: Beide rekrutieren ihre Mitglieder aus der Unterschicht und dem Lumpenproletariat, in beiden Lagern findet man überwiegend ungebildete und gewalttätige junge Männer – ohne jede Chance auf einen Arbeitsplatz oder ein reguläres Leben; Verlierer, die bis ans Ende ihrer Tage Sozialhilfe beziehen werden. Allerdings bildet sich hier die übliche, kriminelle und antibürgerliche Gegenkultur heraus, die aus dem, was der Mehrheitsgesellschaft unehrenhaft und schändlich dünkt, ihre Tugenden machen und sich darin wohl fühlen – wie die Schweine im Schlamm. In beiden Fällen haben wir es natürlich auch mit den üblichen biederen Hintermännern zu tun: Die "deutschen" Skinheads bilden die Schlägertruppen der hiesigen Neonnazis und Rassisten und die "ausländischen" Schläger sind natürlich überaus empfänglich für allerlei islamistische und nationalistische Rattenfänger – die türkischen Faschisten von den Grauen Wölfen sind hier ebenso munter am Werk wie allerlei Dschihadkämpfer...

Von den neuvölkischen Skinheadbanden und ihrem ausländischen Gegenstücken geht auch die nicht unerhebliche Gefahr der Polarisierung aus; das Wirken dieser beiden Extrempole könnte sich ausdehnen, wer von "ausländischen" Jugendlichen belästig oder angegriffen wurde bzw. nur davon gehört hat, der schließt sich eher den Meinungen der Rechtsradikalen an; was natürlich zu mehr Ablehnung gegenüber den "Ausländern" führt und somit den dortigen Radikalen in die Hände spielt. (Es ist einfach sich nicht "deutsch" oder sonst wie national zufühlen, wenn man in einer homogenen Umgebung lebt, die sich derart national definiert. Doch wie verhält es sich, wenn man wegen seiner nationalen oder ethnischen Zugehörigkeit angefeindet und verachtet wird? Liegt es dann nicht auf der Hand sich so zusehen und säht der Nationalismus der anderen nicht Nationalismus in den Herzen der anderen? Die Milde und Nachlässigkeit der Justiz gegenüber den so genannten Intensivtätern mit Migrationshintergrund dürfte nicht weniger verheerend sein wie die Nachlässigkeit und Milde gegenüber den Neuvölkischen. Die beste Jugendarbeit für die NPD sozusagen, da ja gerade junge Menschen beeinfluss- und formbar sind...)

Was für Maßnahmen helfen könnten? Hilfreich ist es immer gegen die politischen und religiösen Agitatoren und Extremisten im Hintergrund vorzugehen; ferner hilft ein deutlicher härteres und strengeres Jugendstrafrecht, das den Täter spätestens nach dem zweiten Vergehen die Bekanntschaft schwedischer Gardinen machen lässt und bei Gewalt- und Sexualdelikten sowieso – ferner bietet es sich an, in Zukunft Kriminelle nur noch nach erwiesenem Resozialisierungserfolg wieder auf freien Fuß zu setzten, zumindest bei schweren Straftaten und bei chronischen Kriminellen. Mehr Polizei in den Problemvierteln versteht sich von selbst, kombiniert mit einer effizienten und nachdrücklichen Justiz. Im Falle der überwiegend politisch und religiös motivierten Missetäter erscheint auch die teilweise Aberkennung der Grundrechte zusätzlich sinnvoll – wobei vorher sicher gestellt werden muss, dass es nicht Kräften wie der CDU obliegt über solche Aberkennungen und Einschränkungen zu befinden, sonst macht man mal wieder den berüchtigten Bock zum Gärtner. Die Milieus und kausalen Missstände, die immer wieder neue Gewalttäter produzieren, zu beseitigen erscheint sinnvoll, doch hat der Staat vor allem auf das Wohl und die Sicherheit der Teile der Bevölkerung, auf denen er fußt, zu sorgen – alles andere ist idealistisches Wunschdenken und –streben. Eine Sisyphosarbeit, die dazu noch wenig gedankt wird – die französische Regierung versucht, nun schon seit 30 Jahren, in ihren deregulierten Gebiete, die schlimmsten Missstände abzustellen, mit immer neuen Sonderprogrammen und Geldern. Im kapitalistischen Wirtschaftssystem, mit seinem Arbeitskräftemangel, ist kein Platz für unterqualifizierte Bewerber mit langem Vorstrafenregister und dieses zu ändern, ist ein Projekt, das man bestimmt nicht unternehmen wird um dem postindustriellen Lumpenproletariat einen Gefallen zu tun...

Noch haben Staat und Gesellschaft die Macht beide Extremistenlager zu zerschmettern und lange werden sie sie noch haben, dann allerdings nicht mehr (und nie wieder) – in diesem Sinne (um einmal der guten, alten Nicolo zu zitieren): "(...) Denn was man von ferne kommen sieht, dem ist leicht zu begegnen; wartet man aber, bis es nah ist, so kommt die Arznei zu spät, weil das Übel unheilbar geworden ist, und es geht, wie die Ärzte von der Schwindsucht sagen, daß sie anfangs leicht zu heilen, aber schwer zu erkennen ist; wird sie aber im Anfang nicht erkannt und geschieht nichts dagegen, so ist in der Folge leicht zu erkennen, aber schwer zu heilen. Ebenso geht es in den Staatsgeschäften; die Übel, die hier entstehen, lassen sich rasch heilen, wenn man sie von fern erkennt, was aber nur ein Mann mit Verstand vermag; läßt man sie aber unerkannt anwachsen, bis sie jeder erkennt, so gibt es kein Gegenmittel mehr."
17.6.06 00:30


White Trash I

Die BNP (British National Party), die Front national, der Vlaams Blok, die NPD oder die Neofaschisten in Italien überall in Europa tritt in letzter Zeit verstärkt der alte braune Dreck auf; in Polen oder Österreich sind sie sogar in der Regierung beteiligt, diese neuen und alten Rechten, mit ihrer konservativen bzw. nationalen "Revolution" (Konterrevolution ist hier das richtige Wort). Versatzstücke und Denkmuster des deutschen Nationalsozialismus haben weitgehend Eingang in das Weltbild dieser Rechten gefunden – zwar in veränderter und selektiver Form; so hat sich Hitlers Konstrukt einer blutreinen, germanischen Herrenrasse in ein Postulat einer generellen Überlegenheit aller Menschen mit weißer Hautfarbe gewandelt und natürlich ist Hitler ein großer Mann für diese Wirrköpfe: Immer kämpfte er gegen das internationale Judentum und dessen Erfühlungsgehilfen, den angelsächsischen Kapitalismus. Diese Wandlung erlaubt es sich diesen Gruppen mit Rassisten, Neonazis, Faschisten und Nationalisten zu verbündeten, die gemäß der NS-Ideologie eigentlich Untermenschen sind und so zur Versklavung und Ausrottung bestimmt sind – namentlich in Russland hat sich eine nicht gerade kleine Skinheadbewegung gebildet und auch entsprechende Nationalisten fehlen nicht. Das Feindbild Amerika – oder besser gesagt, das der gegenwärtigen US-Regierung, denn anders als die Amerikafeinde und Hasser, in anderen Teilen der Welt, hassen unsere Neuvölkischen "nur" die dortige Präsidialdemokratie und lieben die weißen Angelsachsen; ganz gleich ob diese nun Protestanten sind oder nicht. Doch nehmen wir einmal die BNP als Beispiel:

Young Nazi and Proud

Ganz wie die hiesige NPD; man gibt sich bürgerlich, bieder und gesetzestreu. Man ist vor Ort, setzt sich scheinbar für die Belange der Menschen ein und greift populäre und populistische Forderungen auf – wie härtere Strafen für Sexualverbrecher oder die rigorose Abschiebung krimineller Ausländer; der angebliche Kampf gegen den Islam und die aus diesem erwachsenden Bedrohungen für Europa wird ebenfalls geschickt suggeriert. Doch Obacht: Pack verträgt sich, Pack verschlägt sich. Sagt der Volksmund nicht zu Unrecht; die NPD beispielsweise lässt Plakate drucken auf denen erkennbar den Muselmanen eine gute Heimreise gewünscht wird und wenig später mit den Muselmanen ganz kuschelig zusammen, um mit diesen gemeinsam die Juden zu hassen. Es sollte also niemand glauben, den neuen Rechten ginge es hier um die Verteidigung und Durchsetzung demokratischer Freiheiten und Grundsätze. Die vorgetäuschte Feindschaft gegen den Islam dient zur Verschleierung der rassistisch motivierten Ablehnung der Anhänger desselbigen, da diese nun mal die falsche Hautfarbe für die Neuvölkischen haben – währe der Islam in Europa heimisch und das Christentum die Religion der Migranten, sie würden den Islam ebenso gegen das Christentum in Schutz nehmen wollen wie sie es nun mit dem Christentum tun – wobei die Weltuntergangssekte sich momentan dem neonazistischen Werben weitgehend verschließt; im starken Kontrast zu ihren Vorgängern, die sich bis vor kaum mehr als sechs Jahrzehnten als treuherzige Steigbügelhalter der Faschisten jedweder Couleur einen Namen gemacht haben.

Es versteht sich aber von selbst, dass diese Parteien über beste Kontakte zu den gewaltbereiten und extremistischeren Elementen der rechten Szene verfügen; eine Art Maskerade, dort die biederen Saubermänner und hier die zupackende Schlägertruppe. Wobei man hier die Begriffe "rechts" und "links" durchaus differenziert betrachten muss:

UK Election 2005 - a different way of seeing it

So wie "rechts" ursprünglich die Vertreter der absoluten Monarchie und des Ständestaates bezeichnete – zu denen man so abstoßende Subjekte wie Bismarck rechnet – und "links" die radikalen Anhänger von Demokratie und bürgerlicher Gleichheit bezeichnete; dies wandelte sich spätestens im 20. Jahrhundert, in dem "rechts" zum Synonym für Rassismus und Diktatur wurde und "links" fortan mit Sozialismus und Kommunismus assoziiert wurde: Man muss also "rechts" und "links" auf die jeweiligen Politikfelder beziehen, um eine aussagekräftige Zuordnung treffen zu können. Ein "linkes" politisches System ist demzufolge im Idealfall möglichst antiautoritär, basisdemokratisch, egalitär und liberal. Während ein "rechtes" Wirtschaftssystem lediglich die Forderungen des wirtschaftlichen Liberalismus verwirklich und die Wirtschaft allein durch den Markt in Form von Angebot und Nachfrage reguliert. Es ist also möglich hier verschiedenste Aspekte beliebig zu kombinieren... Dies tun auch die neuen Rechten, indem sie "sozialistisch" Elemente in ihr Programm aufnehmen, diese aber nur einer bestimmten Gruppe – der ethnisch Indigenen – zukommen lassen wollen; der biologische Rassebegriff dahinter ist zweifelsohne zu erkennen: Die Zugehörigkeit zur Nation ist immer an ethnische Kriterien wie Hautfarbe oder Abstammung verbunden und kann nicht durch Geburt oder Einbürgerung erworben werden... Sehen wir uns das am konkreten Beispiel der BNP an:

http://www.bnp.org.uk/policies/policies.htm

Sie sind gegen Einwanderung und die europäische Union, für eine Politik der harten Hand bei der Verbrechensbekämpfung, wollen etwas für die einheimischen Arbeiter tun und zurück zu autoritären Erziehungsformen, favorisieren die ökologische Landwirtschaft, bieten ein kostlosen Gesundheitssystem an, sogar ins öffentliche Verkehrssystem soll investiert werden. Dass sie die Umwelt schützen wollen versteht sich da von selbst, allerdings gibt es natürlich keine Gelder mehr für Entwicklungshilfe und einheimische Rentner sind ihnen lieber als die bösen Asylanten. Britische Interessen stehen nun an erster Stelle der Außenpolitik, der Verteidigungsetat wird endlich wieder kräftig ausgestockt und selbst den Nord Irland Konflikt werden sie lösen, unsere neuen Rechten.

Und natürlich sind sie die wahren Demokraten und sie sind allein; es mag wohl sein, dass sich das moderne politische System in Europa nicht übermäßig mit demokratischen Ehren bekleckert, namentlich die Parteien als dessen sichtbare Protagonisten, aber dass ausgerechnet unsere verhinderten Hitlerjungen dieses Missstand beheben wollen? Hält man das Volk etwa für so dumm? Vielleicht hat es wirklich nichts gelernt, aber das Scheitern von Schill und Haider an der Macht und damit später auch an der Wahlurne lässt zumindest hoffen – sollten die etablierten Parteien endlich wieder mit Profil auftreten und Problemlösungen, jenseits des neoliberalen Wirtschaftswachstumsevangeliums, entwickeln bzw. sich neue politische Strömungen ans Werk machen, frei von Rassismus, Nationalismus und autoritären Machtgelüsten... ansonsten könnte der 8. Mai 1945 sich tatsächlich als Pyrrhussieg erweisen und der Nationalsozialismus die befürchtete Metamorphose zu einem "weißen" Rassismus im gesamteuropäischen Ausmaß erfahren. (Schon beim ersten Weltbrand fand der Anstreicher überall willige Helferchen und Mordschergen.)

Das Gefährliche, an den neuen Rechten, ist vor allem die Falschheit der Form; antiimperialistische Rhetorik, die Verwendung von so unverfänglichen und doch entlarvenden Begriffen wie Ethno-nationalismus, das von sich weisen von Rassismus, dazu eine gehörige Portion Antiamerikanismus und nicht die Attitüde des Rebellischen gegenüber dem Bestehenden – so wird besonders die Jugend in den Bahn gezogen... (ich würde dies nicht so betonen, wenn mir nicht schon Exemplare dieser Spezies begegnet wären, die einerseits von der SS begeistert sind und anderseits Zwei-Pack hören – den amerikanischen Ghetto-Gangster-Gospel Rapper, der ja bekanntlich so schwarz wie die Uniformen der SS war; wobei nicht zu erwarten ist, dass Zwei-Pack und die SS-Schergen deshalb baumdicke Freunde werden würden.)
17.6.06 00:33


Denn eins von beiden ist das Totsein: entweder so viel als nichts sein noch irgend eine Empfindung von irgend etwas haben, wenn man tot ist; oder, wie auch gesagt wird, es ist eine Versetzung und Umzug der Seele von hinnen an einen andern Ort. Und es ist nun gar keine Empfindung, sondern wie ein Schlaf, in welchem der Schlafende auch nicht einmal einen Traum hat, so wäre der Tod ein wunderbarer Gewinn. Denn ich glaube, wenn jemand einer solchen Nacht, in welcher er so fest geschlafen, daß er nicht einmal einen Traum gehabt, alle übrigen Tage und Nächte seines Lebens gegenüberstellen und nach reiflicher Überlegung sagen sollte, wieviel er wohl angenehmere und bessere Tage und Nächte als jene Nacht in seinem Leben gelebt hat, so glaube ich, würde nicht nur ein gewöhnlicher Mensch, sondern der Großkönig selbst finden, daß diese sehr leicht zu zählen sind gegen die übrigen Tage und Nächte. Wenn also der Tod etwas solches ist, so nenne ich ihn einen Gewinn, denn die ganze Zeit scheint ja auch nicht länger auf diese Art als eine Nacht. Ist aber der Tod wiederum wie eine Auswanderung von hinnen an einen andern Ort, und ist das wahr, was gesagt wird, daß dort alle Verstorbenen sind, - was für ein größeres Gut könnte es wohl geben als dieses, ihr Richter?

- Platon, "Apologie des Sokrates"
17.6.06 22:47


"Richard III. hatte Heinrich VI. ermordet mit dem Bemerken, daß er zu gut für diese Welt sei und in den Himmel gehöre." – soweit Karl Marx, allerdings werden nicht alle Menschen so sehr geliebt, dass man ihre Seelen bald dem Himmel schicken will; es gibt auch solche, die fanatisch danach trachten in den Himmel zu kommen, sich aber nicht umbringen dürfen - und so lärmen und nörgeln sie den ganzen Tag:

aus Ulrich Wickerts Märchenstunde

"Mein Sohn ist 500 Kilometer weit gefahren, um einen Mann umzubringen, der den Propheten Mohammed beleidigt hat. Nicht-Moslems mögen das nicht verstehen. Aber unsere Religion sagt, dass man jemandem nicht vergeben darf, der Blasphemie begangen hat." Das hieße aber auch: "Mein Sohn war ein wahrer Moslem. Und wahre Moslems dürfen nicht Selbstmord begehen."

Tja, das ist aber schlimm. Wirklich, mir kommen Tränen des Mitleids. Der arme Junge! Völlig umsonst gestorben und sein alter Herr demaskiert nun auch noch die angebliche Religion des Friedens und der Liebe (den Islam), als das was sie wirklich ist: Ein infames, faschistisches Machwerk. (was man ja eigentlich wissen könnte, wissen müsste – zumindest wusste es Voltaire, als er sein erheiterndes Stück "Mahomet der Lügenprophet" verfasste... sollte Europa wirklich den großen Aufklärer vergessen haben? Oder am Ende gar an einen Dialog mit diesem Totalitarismus glauben?)
18.6.06 00:23


Alle Klassen und Parteien hatten sich während der Junitage zur Partei der Ordnung vereint gegenüber der proletarischen Klasse, als der Partei der Anarchie, des Sozialismus, des Kommunismus. Sie hatten die Gesellschaft "gerettet" gegen "die Feinde der Gesellschaft". Sie hatten die Stichworte der alten Gesellschaft, "Eigentum, Familie, Religion, Ordnung", als Parole unter ihr Heer ausgeteilt und der kontrerevolutionären Kreuzfahrt zugerufen: "Unter diesem Zeichen wirst du siegen!" Von diesem Augenblick, sobald eine der zahlreichen Parteien, die sich unter diesem Zeichen gegen die Juni-Insurgenten geschart hatten, in ihrem eigenen Klasseninteresse den revolutionären Kampfplatz zu behaupten sucht, unterliegt sie vor dem Rufe: "Eigentum, Familie, Religion, Ordnung". Die Gesellschaft wird ebensooft gerettet, als sich der Kreis ihrer Herrscher verengt, als ein exklusiveres Interesse dem weiteren gegenüber behauptet wird. Jede Forderung der einfachsten bürgerlichen Finanzreform, des ordinärsten Liberalismus, des formalsten Republikanertums, der plattesten Demokratie, wird gleichzeitig als "Attentat auf die Gesellschaft" bestraft und als "Sozialismus" gebrandmarkt. Und schließlich werden die Hohenpriester der "Religion und Ordnung" selbst mit Fußtritten von den Pythiastühlen verjagt, bei Nacht und Nebel aus ihren Betten geholt, in Zellenwagen gesteckt, in Kerker geworfen oder ins Exil geschickt, ihr Tempel wird der Erde gleichgemacht, ihr Mund wird versiegelt, ihre Feder zerbrochen, ihr Gesetz zerrissen, im Namen der Religion, des Eigentums, der Familie, der Ordnung. Ordnungsfanatische Bourgeoisie auf ihren Balkonen werden von besoffenen Soldatenhaufen zusammengeschossen, ihre Häuser werden zum Zeitvertreib bombardiert – im Namen des Eigentums, der Familie, der Religion und der Ordnung. Der Auswurf der bürgerlichen Gesellschaft bildet schließlich die heilige Phalanx der Ordnung, und Held Krapülinski zieht in die Tuilerien ein als "Retter der Gesellschaft".

- Karl Marx, "Der achtzehnte Brumaire des Louis Napoleon"
22.6.06 23:03


"M" von Fritz Lang (und mit dem berühmten Faustdarsteller Hendrik Höfgen)

Mit dem Untertitel "Eine Stadt sucht einen Mörder" versehen; Berlin am Anfang der Dreißiger Jahre: Die Stadt wird von einem Triebtäter heimgesucht, der schon mehrere Kinder missbraucht und ermordet hat; die Polizei tappt im Dunkeln und die Bevölkerung verfällt in Angst und Hysterie. Verdächtigungen und Tumulte entstehen; selbst das organisierte Verbrechen findet keine Ruhe mehr, da die Polizei nun verstärkt Razzien in den einschlägigen Vierteln durchführt. (wie immer wird nun der Inhalt des Films verraten)

Fritz Lang zeichnet hier ein zeitloses Porträt einer Millionenstadt in Angst und Schrecken – was ihn natürlich zu der zynischen Frage verleitet, wie es sein könne, dass ein Mann, mit wenigen Morden, viereinhalb Millionen Menschen in Atem hält. Interessant sind hier auch die Parallelen, die zwischen organisiertem Verbrechen und der Polizei gezogen werden; die Polizei steht unter starkem politischen Druck, den Mörder endlich dingfest zu machen, während das organisierte Verbrechen wieder Ruhe in der Stadt braucht, damit die Geschäfte wie gewöhnlich weiter gehen können. Daher ersinnen beide immer neue Möglichkeiten, um die Krise zu lösen. Interessant ist dabei die ständige Überlappung und Ähnlichkeit der vorgebrachten Argumente – Verbrecher und Polizisten halten ihre Konferenzen ab und rauchen dabei dicke Zigarren; beide erscheinen unzweifelhaft als die zwei Seiten der selben Münze, als Vertreter von Recht und Ordnung. Die Polizei beschließt dann, denn Täter in den Kreisen von bereits aktenkundig gewordenen Sexualtätern zu suchen – und wird fündig; das organisierte Verbrechen dagegen nimmt die Bettler in Spitzeldienste und ertappt den Mörder auf frischer Tat; nach einer abenteuerlichen Verfolgung wird er von den Verbrechern geschnappt und vor ein "Tribunal" gestellt, bestehend aus allerlei Verbrechern und deren Anhang. Dieses Tribunal ist in seiner Natur durchaus rätselhaft: Wäre es Fritz Lang nur darum gegangen, einen Krimi zu inszenieren, so hätten die Verbrecher einfach versucht den, ihnen lästigen, Mörder zu beseitigen.

Wo zu also dieses "Tribunal"? Wieso diese Argumentation, der Angeklagte sei durch die Unzurechnungsfähigkeit geschützt und würde es sich den Rest seines Lebens in staatlichen Anstallten gut gehen lassen und gelegentlich auszubrechen, um sich an einem Kind zu vergehen, ohne das ihm etwas passieren könnte. Überhaupt, warum trägt der Richter und Ankläger einen Ledermantel, wie er später für Hitlers Gestapo-Schergen obligatorisch werden sollte? Man hört auch aus den Anwürfen des Publikums und mehr noch aus denen des Anklägers – der, ironischerweise ein wegen Polizistenmordes gesuchter Schwerverbrecher ist – so vieles aus der Nazizeit? Die Nazis betrachteten ja Verbrechen als genetisch bedingt und ihr "Euthanasieprogramm" hatte nicht zuletzt das erklärte Ziel, solche potenziellen geisteskranken Verbrecher zu eliminieren. Der Mörder wehrt sich gegen die "Anklage", er sei für seine Taten nicht verantwortlich und innere Stimmen zwängen ihn dazu; ferner spricht er den Verbrechern ab über ihn zu richten und behauptet, dass diese schlimmer seien als er, da sie ja mit ihren Verbrechen aufhören könnten und etwas anständiges tun könnten. In diese Kerbe schlägt auch der "Verteidiger" des Mörders, der dessen Auslieferung an die Polizei fordert. Kein Mensch könne für etwas verantwortlich gemacht werden, zu dem er gezwungen werde. Das Publikum lehnt dies natürlich ab und beschließt den Mörder umzubringen – in diesem Moment stürmt die Polizei das Gebäude und der Mörder wird vor ein ordentliches Gericht gestellt. Mit im Namen des Volkes bricht der Film ab, ohne das Strafmaß zu offenbaren – nur ein paar schwarz gekleidete Frauen klagen, dass davon ihre Kinder nicht wieder lebendig werden würden und man eben doch besser acht haben sollte auf die Kinder.

Einziges Manko des Filmes ist die stellenweise Rückkehr zum Stummfilm, da hier oftmals jede Form von Umgebungsgeräuschen fehlt – Berlin war ja damals schon eine lärmende Großstadt und da wirkt eine völlige Stille auf der Hauptstrasse eben unrealistisch -, zumal die Stille auch irgendwie künstlich anmutet; Fritz Lang verzichtet zudem weitgehend darauf seinen Film mit Musik zu unterlegen – was zumindest in den Gesprächsszenen wesentlich realistisch wirkt.

9/10
28.6.06 17:01


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