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"(...) Als Caesar dies bemerkt hatte, berief er eine Versammlung, in welcher sie Centurionen jeden Ranges erscheinen mußten; diesen machte er heftige Vorwürfe, fürs erste, weil sie es für ihre Sache hielten, nach der Richtung oder dem Zweck ihres Zuges zu fragen oder darüber nachzudenken. Ariovist habe sich doch in Caesars Konsulatsjahr eifrigst um die Freundschaft der römischen Volkes beworben; warum also sollte jemand meinen, daß er so ohne Grund die Pflicht vergessen werde. Er für seine Person sei fest überzeugt, Ariovist werde weder seine noch des römischen Volkes Gunst zurückstoßen wollen, wenn er nur erst deren Forderungen vernommen und die Billigkeit ihrer Vorschläge eingesehen hätte. Wenn er aber aus Wut und Verblendung ihnen wirklich den Krieg erklärte, wovor sollten sie sich dann fürchten? Oder warum wollten sie ihre eigene Tapferkeit oder in die Pflichttreue ihres Feldherrn kein Vertrauen setzen? Man habe sich ja schon zur Zeit unserer Väter mit diesem Feind gemessen, als bei der Niederwerfung der Cimbern und Teutonen durch Gaius Marius sich das Heer offenbar nicht geringeren Ruhm erwarb als der Feldherr selbst; man habe sich ferner jüngst in Italien mit ihm gemessen bei dem Aufstand der Sklaven, denen doch die von uns erlernte Kriegsübung und Kriegszucht einigermaßen zustatten kam. Das sei ein Beweis dafür, welch großer Vorteil feste Entschlossenheit gewähre; denn endlich habe man dieselben Sklaven, da sie in Waffen standen und Sieger waren, überwunden, die man eine Zeitlang, als sie unbewaffnet waren, ohne Grund gefürchtet habe. Endlich sei dies der gleiche Feind, den die Helvetier nicht allein in ihrem Gebiet, sondern auch in Feindesland in häufigen Kämpfen meist besiegt hätten, dieselben Helvetier, die unserem Heere nicht gewachsen waren. Wenn aber auf einige die Niederlage und die Flucht der Gallier Eindruck machen sollte, so könnten diese bei näherer Untersuchung finden, daß die Gallier durch den langwierigen Krieg ermüdet waren, Ariovist aber, nachdem er sich viele Monate im Lager und zwischen Sümpfen eingeschlossen hatte und einem Kampf ausgewichen war, den an einer Schlacht verzweifelnden und zerstreuten Feind plötzlich überrumpelt und mehr durch schlaue Berechnung als durch Tapferkeit besiegt habe. Durch eine solche Kriegsführung, die gegenüber wilden und unerfahrenen Leuten am Platz gewesen sei, werde wohl Ariovist selbst nicht hoffen, unsere Heere hintergehen zu können. Diejenigen, welche ihre eigene Furcht dadurch verbergen suchten, daß sie Besorgnisse wegen der Verpflegung und der Engpässe vorschützten, handelten vermessen, da sie entweder an der Pflichterfüllung ihres Feldherrn zu verzweifeln oder ihm Vorwürfe zu machen schienen. Das sei seine Sorge; das Getreide müßten die Sequaner, Leucer und Lingonen liefern; schon sei das Korn auf den Feldern reif; über den Marsch würden sie in kurzer Zeit selbst urteilen können. Das Gerade, sie wollten ihm den Gehorsam verweigern und nicht ins Feld rücken, lasse ihn ganz gleichgültig; denn er wisse wohl, alle Feldherren, denen ihr Heer den Gehorsam verweigert habe, hätten entweder ihre Sache schlecht geführt und kein Glück gehabt oder seien durch Aufdeckung irgendeiner Schandtat der Habsucht überwiesen worden. Seine Uneigennützigkeit sei durch sein ganzes Leben, sein Glück durch den durch den Krieg mit den Helvetiern erprobt. Er werde daher, was er länger hätte hinausschieben wollen, sogleich vornehmen und in der nächsten Nacht nach der vierten Nachtwache das Lager abbrechen, um sich sobald als möglich zu überzeugen, ob bei ihnen Scham und Pflichtgefühl oder Furcht mehr vermöchte. Sollte ihm auch sonst niemand folgen, so werde er dennoch allein mit der zehnten Legion, in die er keinen Zweifel setze, aufbrechen, und diese werde auch in Zukunft seine Leibgarde bilden. (....)"

- Gaius Julius Caesar, "de bello gallico" (I. Buch)

"(...)Es hat nicht viel gefehlt, daß bereits von Ariovist das durchgeführt ward, was später dem gotischen Theoderich gelang. Wäre dies geschehen, so würde unsere Zivilisation zu der römisch-griechischen schwerlich in einem innerlicheren Verhältnis stehen als zu der indischen und assyrischen Kultur. Daß von Hellas und Italien vergangener Herrlichkeit zu dem stolzeren Bau der neueren Weltgeschichte eine Brücke hinüberführt, daß Westeuropa romanisch, das germanische Europa klassisch ist, daß die Namen Themistokles und Scipio für uns einen anderen Klang haben, als Asoka und Salmanassar, daß Homer und Sophokles nicht wie die Veden und Kalidasa nur den literarischen Botaniker anziehen, sondern in dem eigenen Garten uns blühen, das ist Caesars Werk; und wenn die Schöpfung seines großen Vorgängers im Osten von den Sturmfluten des Mittelalters fast ganz zertrümmert worden ist, so hat Caesars Bau die Jahrtausende überdauert, die dem Menschengeschlecht Religion und Staat verwandelt, den Schwerpunkt der Zivilisation selbst ihm verschoben haben, und für das, was wir Ewigkeit nennen, steht er aufrecht."

- Theodor Mommsen, "römische Geschichte" (V. Buch)
8.7.06 15:39


"(...) Zwar die Monarchie ward nicht erst auf den Schlachtfeldern von Pharsalos und Thapsus festgestellt; sie durfte bereits sich datieren von dem Augenblick, wo Pompeius und Caesar im Bunde die Gesamtherrschaft begründet und die bisherige aristokratische Verfassung über den Haufen geworfen hatten. Doch waren es erst jene Bluttaufen des 9. August 706 (48) und des 6. April 708 (46), die das dem Wesen der Alleinherrschaft widerstreitende Gesamtregiment beseitigten und der neuen Monarchie festen Bestand und förmliche Anerkennung verliehen. Prätendenteninsurrektionen und republikanische Verschwörungen mochten nachfolgen und neue Erschütterungen, vielleicht sogar neue Revolutionen und Restaurationen hervorrufen; aber die während eines halben Jahrtausend ununterbrochene Kontinuität der freien Republik war durchrissen und im ganzen Umfang des weiten Römischen Reiches durch die Legitimität der vollendeten Tatsache die Monarchie begründet. Der verfassungsmäßige Kampf war zu Ende; und daß er zu Ende war, das sprach Marcus Cato aus, als er zu Utica sich in sein Schwert stürzte. Seit vielen Jahren war er in dem Kampfe der legitimen Republik gegen ihre Bedränger der Vormann gewesen; er hatte ihn fortgesetzt, lange nachdem jede Hoffnung zu siegen in ihm erloschen war. Jetzt aber war der Kampf selbst unmöglich geworden; die Republik, die Marcus Brutus begründet hatte, war tot und niemals wieder zum Leben zu erwecken; was sollten die Republikaner noch auf der Erde? Der Schatz war geraubt, die Schildwache damit abgelöst; wer konnte sie schelten, wenn sie heimging? Es ist mehr Adel und vor allem mehr Verstand in Catos Tode, als in seinem Leben gewesen war. Cato war nichts weniger als ein großer Mann; aber bei all jener Kurzsichtigkeit, jener Verkehrtheit, jener dürren Langweiligkeit und jenen falschen Phrasen, die ihn, für seine wie für alle Zeit, zum Ideal des gedankenlosen Republikanertums und zum Liebling aller damit spielenden Individuen gestempelt haben, war er dennoch der einzige, der das große, dem Untergang verfallene System in dessen Agonie ehrlich und mutig vertrat. Darum, weil vor der einfältigen Wahrheit die klügste Lüge innerlich sich zernichtet fühlt und weil alle Hoheit und Herrlichkeit der Menschennatur schließlich nicht auf der Klugheit beruht, sondern auf der Ehrlichkeit, darum hat Cato eine größere geschichtliche Rolle gespielt als viele an Geist ihm weit überlegene Männer. Es erhöht nur die tiefe und tragische Bedeutung seines Todes, daß er selber ein Tor war: eben weil Don Quichotte ein Tor ist, ist er ja eine tragische Gestalt. Es ist erschütternd, daß auf jener Weltbühne, darauf so viele große und weise Männer gewandelt und gehandelt hatten, der Narr bestimmt war zu epilogieren. Auch ist er nicht umsonst gestorben. Es war ein furchtbar schlagender Protest der Republik gegen die Monarchie, daß der letzte Republikaner ging, als der erste Monarch kam; ein Protest, der all jene sogenannte Verfassungsmäßigkeit, mit welcher Caesar seine Monarchie umkleidete, wie Spinneweben zerriß und das Schibboleth der Versöhnung aller Parteien, unter dessen Ägide das Herrentum erwuchs, in seiner ganzen gleisnerischen Lügenhaftigkeit prostituierte. Der unerbittliche Krieg, den das Gespenst der legitimen Republik Jahrhunderte lang, von Cassius und Brutus an bis auf Thrasea und Tacitus, ja noch viel weiter hinab, gegen die Caesarische Monarchie geführt hat - dieser Krieg der Komplotte und der Literatur ist die Erbschaft, die Cato sterbend seinem Feinde vermachte. Ihre ganze vornehme, rhetorisch transzendentale, anspruchsvoll strenge, hoffnungslose und bis zum Tode getreue Haltung hat diese republikanische Opposition von Cato übernommen und dann auch den Mann, der im Leben nicht selten ihr Spott und ihr Ärgernis gewesen war, schon unmittelbar nach seinem Tode als Heiligen zu verehren begonnen. Die größte aber unter diesen Huldigungen war die unfreiwillige, die Caesar ihm erwies, indem er von der geringschätzigen Milde, mit welcher er seine Gegner, Pompeianer wie Republikaner, zu behandeln gewohnt war, allein gegen Cato eine Ausnahme machte und noch über das Grab hinaus ihn mit demjenigen energischen Hasse verfolgte; welchen praktische Staatsmänner zu empfinden pflegen gegen die auf dem idealen Gebiet, ihnen ebenso gefährlich wie unerreichbar, opponierenden Gegner."

- Theodor Mommsen, "römische Geschichte" (V. Buch - Die Begründung der Militärmonarchie)
10.7.06 17:34


Die Leidenschaften, die am stärksten von allen die Verstandesunterschiede bewirken, sind hauptsächlich das mehr oder weniger starke Verlangen nach Macht, Reichtum, Wissen und Ehre. Sie alle können auf das erste, nämlich das Verlangen nach Macht, zurückgeführt werden. Denn Reichtum, Wissen und Ehre sind nur verschiedene Arten von Macht.

- Thomas Hobbes, "Leviathan"

Ich gebe meinen Begriff des Modernen. - Jede Zeit hat in ihrem Maass von Kraft ein Maass auch dafür, welche Tugenden ihr erlaubt, welche ihr verboten sind. Entweder hat sie die Tugenden des aufsteigenden Lebens: dann widerstrebt sie aus unterstem Grunde den Tugenden des niedergehenden Lebens. Oder sie ist selbst ein niedergehendes Leben, - dann bedarf sie auch der Niedergangs-Tugenden, dann hasst sie Alles, was aus der Fülle, was aus dem Überreichthum an Kräften allein sich rechtfertigt. Die Aesthetik ist unablöslich an diese biologischen Voraussetzungen gebunden: es giebt eine décadence-Aesthetik, es giebt eine klassische Aesthetik, - ein "Schönes an sich" ist ein Hirngespinst, wie der ganze Idealismus. - In der engeren Sphäre der sogenannten moralischen Werthe ist kein grösserer Gegensatz aufzufinden, als der einer Herren-Moral und der Moral der christlichen Werthbegriffe: letztere, auf einem durch und durch morbiden Boden gewachsen (- die Evangelien führen uns genau dieselben physiologischen Typen vor, welche die Romane Dostoiewsky's schildern), die Herren-Moral ("römisch", "heidnisch", "klassisch", "Renaissance") umgekehrt als die Zeichensprache der Wohlgerathenheit, des aufsteigenden Lebens, des Willens zur Macht als Princips des Lebens. Die Herren-Moral bejaht ebenso instinktiv, wie die christliche verneint ("Gott", "Jenseits", "Entselbstung" lauter Negationen). Die erstere giebt aus ihrer Fülle an die Dinge ab - sie verklärt, sie verschönt, sie vernünftigt die Welt -, die letztere verarmt, verblasst, verhässlicht den Werth der Dinge, sie verneint die Welt. "Welt" ein christliches Schimpfwort. - Diese Gegensatzformen in der Optik der Werthe sind beide nothwendig: es sind Arten zu sehen, denen man mit Gründen und Widerlegungen nicht beikommt. Man widerlegt das Christenthum nicht, man widerlegt eine Krankheit des Auges nicht. Dass man den Pessimismus wie eine Philosophie bekämpft hat, war der Gipfelpunkt des gelehrten Idiotenthums.

- Friedrich Nietzsche, "Götzendämmerung"
13.7.06 03:26


zeitgeistige Debatten

Eine illustere Runde, wahrhaft: Ein alter Intellektueller, der obligatorische Quotenossi, eine blonde Studentenmaid und der Star des Abends: Matthias Matussek, von der Hamburger Lokalpostille "der Spiegel"...

Lange schwebt die Diskussion im unseligen Taumel des Fußballs, aber am Ende schafft es Matussek mal wieder den Vogel abzuschießen. Mit Äußerungen wie "Wir haben in Kant (...) geistige Welten erschaffen". Diese erregen zwar noch den entschiedenen Widerspruch des alten Intellektuellen, der darauf pocht, dass es Kant war – und dieser allein -, der seine Gedankengebäude erschaffen hat (und damit darauf, dass dichterische, philosophische und wissenschaftliche Werke individuelle und keine kollektiven Leistungen sind). Aber es geht noch weiter: Matussek versteift sich darauf, dass der Cheruskerfürst Arminius der – so wörtlich – "Che Guevara des Altertums" gewesen sei. Nun ist es aber genug, mit der neudeutschen Dummheit: Mag es für die Alt68ziger (und ihre jugendlichen Erben) auch schwer sein, aber der germanische Adlige hat mit ganz anderen Mächten gerungen als der argentinische Arzt. In einer lateinamerikanischen Bananenrepublik die Regierung zu stürzen und zum unfreiwilligen Steigbügelhalter einer Diktatur zu werden, ist das eine; ein anderes aber ist es, mit dem römischen Staat zu ringen:

"Der römisch-germanische Kampf war nicht ein Kampf zwischen zwei in politischem Gleichgewicht stehenden Mächten, in welchem die Niederlage der einen ungünstigen Friedensschluß rechtfertigen kann; es war der Kampf eines zivilisierten und organisierten Großstaates gegen eine tapfere, aber politisch und militärisch barbarische Nation, in welchem das schließliche Ergebnis von vornherein feststeht und ein vereinzelter Mißerfolg in dem vorgezeichneten Plan so wenig etwas ändern darf, wie das Schiff darum seine Fahrt aufgibt, weil ein Windstoß es aus der Bahn wirft."

Allerdings, damit Matussek nun nicht völlig zum (Ernst) Jünger des Arminius wird, noch ein kleiner Exkurs bezüglich der römischen Handlungsweise in Germanien:

"Die Varusschlacht ist ein Rätsel, nicht militärisch, aber politisch, nicht in ihrem Verlauf, aber in ihren Folgen. Augustus hatte nicht unrecht, wenn er seine verlorenen Legionen nicht von dem Feind oder dem Schicksal, sondern von dem Feldherrn zurückforderte; es war ein Unglücksfall, wie ungeschickte Korpsführer sie von Zeit zu Zeit für jeden Staat herbeiführen; schwer begreift man, daß die Aufreibung einer Armee von 20000 Mann ohne weitere unmittelbare militärische Konsequenzen der großen Politik eines einsichtig regierten Weltstaates eine entscheidende Wendung gegeben hat. Und doch haben die beiden Herrscher jene Niederlage mit einer beispiellosen und für die Stellung der Regierung, der Armee wie den Nachbarn gegenüber bedenklichen und gefährlichen Geduld ertragen; doch haben sie den Friedensschluß mit Marobod, der ohne Zweifel eigentlich nur eine Waffenruhe sein sollte, zu einem definitiven werden lassen und nicht weiter versucht, das obere Elbtal in die Hand zu bekommen. Es muß Tiberius nicht leicht angekommen sein, den großen, mit dem Bruder gemeinschaftlich begonnenen, dann nach dessen Tode von ihm fast vollendeten Bau zusammenstürzen zu sehen; der gewaltige Eifer, womit er, sowie er in das Regiment wieder eingetreten war, den vor zehn Jahren begonnenen germanischen Krieg aufgenommen hatte, läßt ermessen, was diese Entsagung ihn gekostet haben muß. Wenn dennoch nicht bloß Augustus bei derselben beharrte, sondern auch nach dessen Tode er selbst, so ist dafür ein anderer Grund nicht zu finden, als daß sie die durch zwanzig Jahre hindurch verfolgten Pläne zur Veränderung der Nordgrenze als unausführbar erkannten und die Unterwerfung und Behauptung des Gebietes zwischen dem Rhein und der Elbe ihnen die Kräfte des Reiches zu übersteigen schien."

So, falls dies noch nicht reicht, noch ein kleiner Nachschlag:

"(...) Die Vorbedingungen dazu, die Niederwerfung der germanischen Patriotenpartei und des Suebenkönigs in Böhmen, waren keine leichten Aufgaben; indes man hatte dem Gelingen derselben schon einmal ganz nahe gestanden und bei richtiger Führung konnten diese Erfolge nicht verfehlt werden. Aber eine andere Frage war es, ob nach der Einrichtung der Elbgrenze die Truppen aus dem zwischenliegenden Gebiet weggezogen werden konnten; diese Frage hatte der dalmatisch-pannonische Krieg in sehr ernster Weise der römischen Regierung gestellt. Wenn schon das bevorstehende Einrücken der römischen Donauarmee in Böhmen einen mit Anstrengung aller militärischen Hilfsmittel erst nach vierjährigem Kampf niedergeworfenen Volksaufstand in Illyricum hervorgerufen hatte, so durfte weder zur Zeit noch auf lange Jahre hinaus dies weite Gebiet sich selbst überlassen werden. Ähnlich stand es ohne Zweifel am Rhein. Das römische Publikum pflegte wohl sich zu rühmen, daß der Staat ganz Gallien in Unterwürfigkeit halte durch die 1200 Mann starke Besatzung von Lyon; aber die Regierung konnte nicht vergessen, daß die beiden großen Armeen am Rhein nicht bloß die Germanen abwehrten, sondern auch für die keineswegs durch Fügsamkeit sich auszeichnenden gallischen Gaue gar sehr in Betracht kamen. An der Weser oder gar an der Elbe aufgestellt, hätten sie diesen Dienst nicht in gleichem Maße geleistet; und sowohl den Rhein wie die Elbe besetzt zu halten, vermochte man nicht. So mochte Augustus wohl zu dem Schluß kommen, daß mit dem damaligen, allerdings seit kurzem erheblich verstärkten, aber immer noch tief unter dem Maß des wirklich Erforderlichen stehenden Heerbestand jene große Grenzregulierung nicht auszuführen sei; die Frage ward damit aus einer militärischen zu einer Frage der inneren Politik und insonderheit zu einer Finanzfrage. Die Kosten der Armee noch weiter zu steigern, hat weder Augustus noch Tiberius sich getraut. Man kann dies tadeln. Der lähmende Doppelschlag der illyrischen und der germanischen Insurrektion mit ihren schweren Katastrophen, das hohe Alter und die erlahmende Kraft des Herrschers, die zunehmende Abneigung des Tiberius gegen frisches Handeln und große Initiative und vor allem gegen jede Abweichung von der Politik des Augustus, haben dabei ohne Zweifel bestimmend mit- und vielleicht zum Nachteil des Staates gewirkt. (...)"

...natürlich kann ich mir hier auch nicht verkneifen, das Ende jenes Helden in Erinnerung zu rufen:

"Also waren Arminius' Gegner wie seine Nebenbuhler flüchtig geworden, und die germanische Nation sah auf keinen andern als auf ihn. Aber diese Größe war seine Gefahr und sein Verderben. Seine eigenen Landsleute, vor allem sein eigenes Geschlecht schuldigte ihn an, den Weg Marobods zu gehen und nicht bloß der Erste, sondern auch der Herr und der König der Germanen sein zu wollen - ob mit Grund oder nicht und ob, wenn er dies wollte, er damit nicht vielleicht das Rechte wollte, wer vermag es zu sagen? Es kam zum Bürgerkrieg zwischen ihm und diesen Vertretern der Volksfreiheit; zwei Jahre nach Maroboduus' Verbannung fiel auch er, gleich Caesar, durch den Mordstahl ihm nahestehender, republikanisch gesinnter Adliger. (...)"

Arminius ist somit allenfalls ein Fidel Castro des Altertums... (wobei noch bemerkt sei, dass die Geschichte der Germanen nicht notwendigerweise auch die der Deutschen ist. Kimbern, Teutonen, Vandalen, Ost- und Westgoten beispielsweise fanden ihr Schicksal in anderen Teilen der Welt, ohne jemals dauerhaft auf dem heutigen deutschen Boden gesiedelt zu haben; Franken und Sachsen haben, seit der Völkerwanderung, ihre Hauptsitze in Gallien und Britannien – und man wird die französische und englische Nation wohl schwerlich eine deutsche nennen können.)
13.7.06 19:06


Das Konzern Evangelium

"Sie sind ein alter Mann, der noch in Begriffen wie Nationen und Völker denkt. Es gibt keine Nationen! Es gibt keine Völker! Es gibt keine Russen! Es keine Araber! Es gibt keine Dritte Welt! Es gibt keinen Westen! Es nur ein einziges, großes, ganzheitliches System der Systeme. Ein riesiges, ungeheuer mächtiges, verflochtenes, sich gegenseitig beeinflussendes, multivariables, multinationales Herrschaftsgebiet von Dollar. Petrodollars, Elektrodollars, Multidollars, deutsche Mark, Gulden, Rubel, Pfund: also jede Art von Geld. Es ist das internationale Währungssystem, das die Globalität des Lebens auf diesem Planten bestimmt. Das ist die natürliche Ordnung der Dinge, heutzutage. Das ist, die atomare und die subatomare und die galaktische Struktur der Dinge, heutzutage. Und sie haben sich in das Spiel der Urgewalten der Natur eingemischt. Und sie werden das wieder gut machen. Verstehen sie mich eigentlich, Mr Beale? Sie erscheinen da, auf ihrem lächerlichen, kleinen Bildschirm, und wehklagen über Amerika und Demokratie. Es gibt kein Amerika. Es gibt keine Demokratie. Es gibt nur IBM und ITT, und AT&T, und DuPont, Dow, Union Carbide, und Exxon. Das sind die Nationen der Welt, heutzutage. Was glauben sie worüber die Russen, bei ihren Ministerratssitzungen, reden? Über Karl Marx? Die holen ihre linearen Programmierungstabellen raus; statistische Entscheidungstheorien, Logarithmentabellen und befragen die Computer, nach dem Kosten-Nutzeneffekt ihrer Transaktionen und Investitionen – genau wie wir. Wir leben nicht länger in einer Welt von Nationen und Ideologien, Mr Beale. Die Welt besteht aus einer Gruppe von Konzernen. Sie unterliegt bestimmten Gesetzen, unwandelbaren Gesetzen der Wirtschaft. Die Welt ist ein Geschäft, Mr Beale. Das war so seit der Mensch aus dem Urschlamm gekrochen ist. Und unsere Kinder werden es erleben, Mr Beale. Sie werden sie erleben, die perfekte Welt. In der es weder Krieg noch Hungersnot gibt; weder Unterdrückung noch Brutalität. Eine riesige, ökumenische Holdinggesellschaft für die alle Menschen arbeiten werden, um einen gemeinsamen Profit zu erwirtschaften. Und alle Menschen werden an dieser Gesellschaft einen gewissen Anteil haben. Alle Bedürfnisse werden befriedigt. Angst und Schrecken werden verschwunden sein. Und auch Langeweile."

- Network
19.7.06 02:21


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Vorbei sind die Zeiten wo einen unter dieser Aussage allenfalls lästige Spam-Mails erwartet haben, denn Irans bärtiger Antisemit macht seine Drohungen war und bombardiert die westlichen Regierungen mit peinlichen Briefen – nicht einmal das Merkel (und damit die Bundesregierung) ist davor sicher:

Wickerts Märchenstunde

Leider soll das Schreiben nicht veröffentlicht werden, wir werden also nie erfahren wie das Märchen lautet in dem Hitler zum Opfer wird und ähnliches – heute will ja jeder das Opfer sein; auch will die Bundesregierung dem Schreiberling überhaupt nicht antworten; dabei sind wir doch das Land der Dichter und Denker! Wie wäre es denn zum Beispiel mit einem Nietzschezitat:

"- Einen Schritt weiter in der Psychologie der Überzeugung, des "Glaubens". Es ist schon lange von mir zur Erwägung anheimgegeben worden, ob nicht die Überzeugungen gefährlichere Feinde der Wahrheit sind als die Lügen (Menschliches, Allzumenschliches S. <331>) Dies Mal möchte ich die entscheidende Frage thun: besteht zwischen Lüge und Überzeugung überhaupt ein Gegensatz? - Alle Welt glaubt es; aber was glaubt nicht alle Welt! - Eine jede Überzeugung hat ihre Geschichte, ihre Vorformen, ihre Tentativen und Fehlgriffe: sie wird Überzeugung, nachdem sie es lange nicht ist, nachdem sie es noch länger kaum ist. Wie? könnte unter diesen Embryonal-Formen der Überzeugung nicht auch die Lüge sein? - Mitunter bedarf es bloss eines Personen-Wechsels: im Sohn wird Überzeugung, was im Vater noch Lüge war. - Ich nenne Lüge Etwas nicht sehn wollen, das man sieht, Etwas nicht so sehn wollen, wie man es sieht: ob die Lüge vor Zeugen oder ohne Zeugen statt hat, kommt nicht in Betracht. Die gewöhnlichste Lüge ist die, mit der man sich selbst belügt; das Belügen Andrer ist relativ der Ausnahmefall. - Nun ist dies Nicht-sehn-wollen, was man sieht, dies Nicht-so-sehn-wollen, wie man es sieht, beinahe die erste Bedingung für Alle, die Partei sind in irgend welchem Sinne: der Parteimensch wird mit Nothwendigkeit Lügner. Die deutsche Geschichtsschreibung zum Beispiel ist überzeugt, dass Rom der Despotismus war, dass die Germanen den Geist der Freiheit in die Welt gebracht haben: welcher Unterschied ist zwischen dieser Überzeugung und einer Lüge? Darf man sich noch darüber wundern, wenn, aus Instinkt, alle Parteien, auch die deutschen Historiker, die grossen Worte der Moral im Munde haben, - dass die Moral beinahe dadurch fortbesteht, dass der Parteimensch jeder Art jeden Augenblick sie nöthig hat? - "Dies ist unsre Überzeugung: wir bekennen sie vor aller Welt, wir leben und sterben für sie, - Respekt vor Allem, was Überzeugungen hat!" - dergleichen habe ich sogar aus dem Mund von Antisemiten gehört. Im Gegentheil, meine Herrn! Ein Antisemit wird dadurch durchaus nicht anständiger, dass er aus Grundsatz lügt ..." (der Antichrist)
23.7.06 01:27


http://www.rettet-das-internet.de/index.htm

Damit sie auch noch Morgen auf ein konzernfreies Internet zugreifen können...
23.7.06 04:20


Ohne nun vollends zum Marxisten mutieren zu wollen, aber...

http://www.zeit.de/2006/30/Buergertum

"Nur für einen entpuppt sich die Große Koalition als wahrer Jungbrunnen: Guido Westerwelle. Seit der Wahl, so stellt er fest, habe sich »die Wahrnehmung der FDP völlig verändert«. Auch persönlich erfährt der FDP-Chef, einst als Spaß- und Container-Guido geschmäht, in bürgerlichen Kreisen plötzlich große Wertschätzung. »Ich kriege zurzeit Einladungen, die hätte ich nie für möglich gehalten«, sagt er. Vor allem im mittelständischen Milieu, sonst eher der Union zugetan, ist der Liberale in diesen Tagen ein beliebter Vortragsgast. Die FDP feiert Umfragerekorde von 14 Prozent."

...ich kann es mir einfach nicht verkneifen hier Karl Marx (aus seinem "Der 18. Brumaire des Louis Bonaparte") zu zitieren:

"Die Bourgeoisie hatte jetzt offenbar keine andere Wahl, als Bonaparte zu wählen. Als die Puritaner auf dem Konzile von Konstanz über das lasterhafte Leben der Päpste klagten und über die Notwendigkeit der Sittenreform jammerten, donnerte der Kardinal Pierre d'Ailly ihnen zu: "Nur noch der Teufel in eigner Person kann die katholische Kirche retten, und ihr verlangt Engel." So rief die französische Bourgeoisie nach dem coup d'état: Nur noch der Chef der Gesellschaft vom 10.Dezember kann die bürgerliche Gesellschaft retten! Nur noch der Diebstahl das Eigentum, der Meineid die Religion, das Bastardtum die Familie, die Unordnung die Ordnung!"
23.7.06 04:53


Rabbit-proof fence (Der lange Weg nach Hause)

Ein Film aus einem dunklen Kapitel der australischen Geschichte: Der australische Outback 1931; im Auftrag der Regierung, lässt der so genannte "Chief Protector of Aborigines" Neville (Kenneth Branagh) angebliche (und tatsächliche) Mischlingskinder – Kindern von Aboriginefrauen mit weißen Wanderarbeitern – in staatliche Erziehungsheime bringen und dort zu billigen Arbeitskräften und Dienstboten umerziehen. Nebenbei ist das erklärte Ziel dieses Programms die stufenweise Auslöschung der eingeborenen Bevölkerung, durch "Integration" in die weiße Bevölkerung Australiens – wie Neville später netten alten Damen in einem Vortrag erklären wird. Ins Visier des Bürokraten geraten auch die drei Mädchen Molly (Everlyn Sampi), Daisy und Gracie. Die Polizei greift die drei auf und verfrachtet sie in das Erziehungslager Moore River – eine Art Hölle auf Erden für Kinder. Dort werden den bisher in der Wildnis frei und ungebunden lebenden Kindern die "Segnungen" der Zivilisation näher gebracht: Gehorsam, Unterwürfigkeit, strikte Disziplin und christlicher Glaube. Es wird ihnen verboten in ihrer Muttersprache zu sprechen, sie erhalten eine hauswirtschaftliche Ausbildung - ihrer vorgesehen Verwendung entsprechend – und sie müssen vor dem Essen beten. Molly beschließt auszubrechen und reißt die anderen beiden mit sich; es beginnt eine abenteuerliche Flucht durch die atemberaubende Naturlandschaft Australiens – denn Moore River liegt fast 1500 Meilen von dem Zuhause der Mädchen entfernt. Die Flucht ist auch ein Duell zwischen dem teuflischen Bürokraten Neville und der charismatischen Molly. Die Mädchen orientieren sich bei ihrem Weg nach Hause an dem Kaninchenzaun, der sich von Norden nach Süden durch den Kontinent zieht. Ein ungleiches Duell: Neville wird von jeder Bewegung der Mädchen, mittels Telegraphenstationen unterrichtet und verfolgt sie mit dem einheimischen Fährtensucher Moodoo (David Gulpilil) und der Polizei. Immer wieder stellt er den Mädchen vermeintlich sichere Fallen...

Faszinierend an dem Film ist, neben den grandiosen Naturbildern und der spannenden Flucht, die dezente und doch eindringliche Art das rassistische Regime gegen die Ureinwohner dem Zuschauer zu vermitteln; die Grausamkeiten im Heim von Moore River werden nur angedeutet – besonders eindrucksvoll, in der Szene in der Molly auf ihren Peiniger Neville trifft und ein Junge ihr die Folgen eines Ungehorsams einflüstert. Ebenso die Umerziehung im Heim, bei der der Film mittels Stille und der angsterfüllten Augen der anderen Kinder immer wieder zu verstehen gibt – wie unbarmherzig die barmherzigen Schwestern an jenem Ort sein können. Schließlich hat auch die Kirche ihre schmutzigen Hände hier im Spiel: Die Wilden sollen zu guten Christen erzogen werden. In die gleiche Kerbe schlägt auch Neville, der ernsthaft zu glauben scheint, er würde den Ureinwohnern helfen. Kenneth Branagh spielt hier jenen eiskalten Bürokraten, der in der Überzeugung das Gute zu tun, unmenschliche Grausamkeiten verübt; die Art wie sie auch die großen Naziverbrecher waren. Die am Sonntag mit den Kindern einen Familienausflug machen und unter der Woche ein KZ leiten – eine erschreckende Art Mensch, der Bruder Eichmann. Nevilles Gegenspielerin Molly verkörpert Everlyn Sampi, die klare Sympathieträgerin dieses Films, auf eindrucksvolle Weise. Man nimmt ihr die Rolle des willensstarken Mädchens ab, das sich dem Umerziehungsterror widersetzt und nach Hause zu seiner Mutter möchte. Der Film basiert übrigens auf einem Buch eines Opfers dieses Programms, das bis in die siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts betrieben wurde und damit im Wesentlichen wohl auch auf Tatsachen.

9/10
25.7.06 01:50





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